Klasse 5
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Die bisherigen Diktate für die 4. Klasse waren relativ schwierig und umfassend.
Ich habe mich entschlossen, sie ab sofort für die Klassen 5 und 5 anzubieten.
Für die Klasse 4 entwickle ich eine zweite Serie leichterer Diktate. 
Auch für die Klasse 6 wird es Diktate geben.

44 Wochendiktate mit 4 bis 6 Teiltexten
für gute Schreiber der Klasse 4 und für die Klasse 5
Die Reihenfolge der Texte kann den jeweiligen Vorstellungen und Erfordernissen angepasst werden.
Um besser schreiben zu lernen, ist es auch nicht unbedingt erforderlich, alle Texte durchzuarbeiten.
Auch mit der Übung eines Teils der Texte stellen sich schon Verbesserungen ein.

1. Woche Erde, Meere, Kontinente

Vor etwa 5 Milliarden    Jahren entstand die Erde. In der folgenden Zeit kühlte die flüssig heiße Lava an der Oberfläche ab und bildete eine feste Erdkruste. Die Teile der Erdkruste schwammen - vergleichbar Eisschollen - auf der Lava im Untergrund.  Wasserdampf kondensierte zu  Wasser. Das sammelte sich in großen Becken und bildete Seen und Ozeane.

Vor etwa 500 Millionen Jahren formte sich unsere Landschaft. Dort, wo heute Gebirge aufragen, erstreckten sich zu dieser Zeit weite Meere. Flüsse und Bäche füllten sie mit Sand und Ton. Langsam trockneten die Meere aus. Das Wasser sammelte sich an anderen Stellen. Die auf der heißen Lava treibenden ( driftenden ) Erdteile ( Kontinente ) stießen zusammen.

Sie schoben die flach liegenden Schichten des Meeres zu Gebirgen auf.  So wurden vor etwa 350 Millionen Jahren die Mittelgebirge gebildet. Vor etwa 150 Millionen Jahren - im Erdmittelalter - falteten sich die Alpen auf.  Die Erdneuzeit begann vor 60 Millionen Jahren mit einem riesigen Knall.

Ein riesiger Meteorit stürzte damals aus dem Weltall auf die Erde. Innerhalb weniger Tage verdunkelte der aufgewirbelte Staub die Erdatmosphäre. Das Sonnenlicht schwächte sich ab, es wurde schlagartig kälter, Pflanzen starben in der Kälte ab und mit ihnen die Dinosaurier, die sich von den Pflanzen ernährten. Nur die kleineren Saurier, die Krokodile, Echsen und Vögel überlebten diese Katastrophe. 

In den kommenden Jahrmillionen formte sich das heutige Gesicht der Erde. Die große Erdscholle Pangäa teilte sich in die heutigen Kontinente auf. Du kannst dies einfach erkennen, wenn du dir alle Kontinente im Atlas abpaust, sie auschneidest und dann wie ein Puzzle zusammen schiebst. Man kann deutlich sehen, wie gut Afrika und Amerika zusammen passen.

Der große Urkontinent Pangäa hat sich in 6 Kontinente aufgelöst: In Amerika, Afrika, Asien, Europa und Australien. Unter Schnee und Eis liegt der 6 Kontinent, die Antarktis, verborgen. Zwischen den Kontinenten dehnen sich die drei großen Ozeane, der Atlantik ( Atlantischer Ozean ), der Pazifik ( Pazifischer Ozean ) und der Indische Ozean aus. Nordsee, Ostsee und Mittelmeer zählen zu den kleineren Meeren. Insgesamt sind etwa zwei Drittel der Erde von Meeren bedeckt.

2. Woche  -   Eiszeiten und Vulkanismus

Zwei herausragende Naturgewalten verändern auch heute noch das Gesicht der Erde an vielen Stellen: Vulkanismus und Klimaschwankungen. Die im Inneren der Erde brodelnde heiße Lava und heiße Gase dringen immer wieder an die Oberfläche der Erde. Vulkaneruptionen verschütten das Land unter Lava und Asche. Überall, wo die Erdkruste dünn und brüchig ist, entstehen die typischen Vulkankegel. Wissenschaftler unterscheiden zwischen erloschenen, ruhenden und tätigen Vulkanen.

Auch Schnee und Eis haben in den letzten 2 Millionen Jahren das Gesicht der deutschen Landschaft an vielen Stellen geprägt. In langen Kälteperioden bildeten sich in Nordeuropa und in den Alpen riesige Gletschergebiete. Wie Kuchenteig drückten die Eismassen die unteren Schichten nach außen. So wanderte das Eis über tausende von Kilometern von Skandinavien bis nach Norddeutschland.

Den Beweis für die großen Gletscherwanderungen lieferten die Findlinge. Lange Zeit wunderten sich die Menschen über die schweren wohl geformten und glatt geschliffenen Steine. Die Germanen errichteten mit ihnen ihre heiligen Stätten. Weil es dort, wo die Findlinge gefunden wurden, keine vergleichbaren Steine gab, forschten die Geologen ( die Wissenschaft von den Gesteinen heißt Geologie ) nach der Herkunft der riesigen Felsbrocken.

In Skandinavien wurden sie fündig. Hier fanden sie die Granitberge,  aus denen das Eis große Felsen herausgebrochen hatte. Ihren Schliff erhielten die Steine auf dem langen Weg bis zu ihrem Fundort. Die Gletscher schoben Sie vor sich her und rieben sie glatt. Als sich zum Ende der Eiszeit das Klima wieder erwärmte, schmolzen die Gletscher ab. Die vor dem Eis hergeschobenen oder im Eis eingeschlossenen Felsen blieben als Findlinge einfach liegen und waren den Menschen bis in die Neuzeit hinein ein unlösbares Rätsel. 

3. Woche   -   Der Kreislauf des Wassers - Ein Diktat in 5 Kapiteln

Wenn wir vom Regen überrascht werden, denken wir kaum daran, dass wir uns gerade mitten im Kreislauf des Wassers befinden. Die Regentropfen haben zu diesem Zeitpunkt schon eine lange Reise hinter sich. Weit draußen über dem Atlantik haben sich durch Verdunstung große Wolkenmeere gebildet. Der Westwind treibt sie mit aller Kraft in Richtung des europäischen Kontinents.

Schnell wie der Wind treiben die Wolkenfelder übers Land. Mitten in Deutschkland stoßen die Wolken auf die Mittelgebirge. Wie ein großes Hindernis stehen sie den ziehenden Wolken im Weg. Die heranziehenden Wolken steigen auf, um die Gebirgszüge zu überwinden. Dabei kühlen sie ab. Die unzähligen Regentröpfchen kondensieren zu großen Regentropfen, die platschend auf die Erde fallen.

Dort setzt sich der Kreislauf des Wassers fort. Fallen die Regentropfen auf eine Wiese, einen Acker oder in einen Wald, so versickern sie im Boden. Sie sickern immer tiefer, bis sie auf eine wasserundurchlässige Bodenschicht stoßen. Hier versammeln sich ungezählte Wassertröpfchen und bilden einen Grundwassersee.

Ist der Grundwassersee bis zum Rande gefüllt, sickert das überlaufende Wasser durch Gestein und Erdreich, bis es einen Ausweg gefunden hat. Der Ausweg des Wassers ist die Quelle. Hier plätschern die Regentröpfchen nach ihrer langen Reise aus der Erde und bilden den Anfang eines kleinen Baches.

Mit jedem Kilometer, den der Bach durch die Natur verläuft, sammelt er mehr Regenwasser. Von allen Seiten strömen aus kleinen Nebenbächen zahllose Wassertröpfchen in unseren Bach. Dieser wird immer größer, wird zu einem Fluss und schließlich zu einem breiten Strom. Im Strom schwimmen unsere Wassertröpfchen langsam zurück zum Meer.   Dort beginnt ihre Reise von vorne. 

4. Woche   -   Wasser, Schnee und Eis

Als ob dieses Thema mit Petrus abgesprochen wäre, fror und schneite es in dieser Woche kräftig. Damit passt das derzeitige Wetter optimal zu den Diktaten der Woche. In der letzten Woche haben wir uns mit dem Kreislauf des Wassers befasst. Dieser Kreislauf wird - wenn es friert - zu einem Teil unterbrochen. Regen fällt an kalten Tagen als Schnee. Der Schnee bleibt dort liegen, wo er auf die Erde fällt.

Regenwasser, das auf dem Weg zum nächsten Bach über Land plätschert, verwandelt sich bei Frost in Eis. Es erstarrt und bleibt einfach dort, wo es gefriert. Nun weißt du auch, warum Bäche und Flüsse schlagartig weniger Wasser führen, wenn Schnee und Eis das Land beherrschen.

Winterzeit ist Kinderzeit. Schnee und Eis sind im wahrsten Sinne die Grundlage für eine fröhliche Zeit. Wenn die weichen Schneekristalle eine weiße Decke über Stadt und Land gelegt haben,   ist es Zeit, die Schlitten vom Speicher zu holen, die Kufen zu glätten und die große steile Wiese für ein paar Tage in eine Rodelbahn zu verwandeln.

Seit Tagen hat es gefroren. Die Quecksilbersäule des Thermometers zeigt auch tagsüber frostiges Wetter an. Dort, wo das Wasser mit der frostigen Luft in Berührung kommt, gefriert es zu Eis. Deshalb gefriert das Wasser in Bächen und Seen auch von oben nach unten.  Weil die frostige Luft das tiefere Wasser nicht erreicht, gefriert nur die Oberfläche. Auch das Grundwasser in der Erde kann weiter fließen, weil es vor Frost geschützt ist.

Für Eislauf und Eishockey reicht uns aber eine feste Eisdecke auf dem Teich. Zur eigenen Sicherheit betreten wir das Eis aber nur, wenn erfahrene Leute das Eis geprüft haben und der Meinung sind, dass das Eis auch trägt. Auch wenn eine Eisfläche zum Betreten frei ist, achten wir stets auf dünnes Eis. Insbesondere hüten wir uns vor dem dünneren Eis in der Mitte des Teiches und am Ein- und Auslauf des Baches.

5. Woche  -  Jahr und  Kalender

In dieser Woche kommt vieles zusammen. Das alte Jahr verabschiedet sich, das neue Jahr kommt mit Schnee, Eis und dem Euro. Das wird ein interessanter Jahreswechsel. Am 31. Dezember geht ein altes Jahr zu Ende. Nach einem Papst namens Silvester nennen wir den 31. Dezember Silvester. Wir schreiben Silvester mit " i".  Ich habe dieses Wort anfangs oft fälschlich mit " y" geschrieben. Um es zukünftig immer richtig zu schreiben, habe ich mir eine kleine Brücke für Esel gebaut, eine Eselsbrücke. Ich sage mir immer: Weil an Silvester die Raketen oder die Sterne wie Silber blitzen, schreibe ich Silvester mit "i". Das hat geholfen.

Seit langer Zeit feiern wir den Wechsel vom alten Jahr zum neuen Jahr. Um Mitternacht läuten die Kirchenglocken das neue Jahr ein. Auf der Straße begrüßen Kinder und Erwachsene das neue Jahr mit Krachern, Böllern, Heulern und Raketen. Wenn der Sternenregen der Raketen am Himmel leuchtet, denken wir nicht mehr daran, dass unsere Vorfahren mit Lärm und Licht die bösen Geister vertreiben wollten.

Die größte Freude an Silvester ist für Kinder und Erwachsene das Feuerwerk. Ursprünglich kommt das Feuerwerk aus China.  Die Chinesen konnten schon lange vor uns Pulver herstellen und damit hantieren. Auch heute noch kommen viele Feuerwerkskörper aus China.   Feuerwerkskörper können sehr gefährlich sein. Viele Menschen müssen zu Silvester mit Verletzungen und Verbrennungen den Arzt aufsuchen. Deshalb ist es wichtig, auf die Altersangabe zu achten und die Gebrauchsanweisungen sorgfältig zu lesen.

Der Neujahrstag ist der erste Tag des neuen Jahres. Meine größte Freude am Neujahrstag war es, nicht explodierte Kracher aufzusammeln, um sie erneut zu zünden. Das ist aber eine recht gefährliche Angelegenheit, weil von den Zündschnüren meist nur abgebrannte Stummel übrig gebleiben sind. Zündet man Knallkörper mit zu kurzen Zündschnüren, können sie sofort explodieren. Das ist bei großen Krachern, Böllern und Raketen sehr gefährlich.   Deshalb heißt es hier: Finger weg von Blindgängern !  Hebt euch lieber ein paar Kracher für den Neujahrstag auf. Das ist sicherer.

6. Woche   -   Jahr, Kalender und Monate

Unsere Vorfahren haben die Zeit noch nach Mondperioden gezählt. Zwischen einem  Vollmond und dem nächsten Vollmond liegen 28 Tage. Natürlich kann man auch sagen: Zwischen Neumond und Neumond liegen 28 Tage. Diese Zeitspanne  nannten unsere Vorfahren einen Mond. Wer schon einmal einen Indianerfilm gesehen hat, weiß, dass auch die Indianer die Zeit in Monden berechneten. Von dem Wort Mond ist unser Wort Monat abgeleitet.

Obwohl der Mond einen großen Einfluss auf die Natur und die Menschen auf der Erde hat, richten wir uns heute mit unserer Zeitrechnung nach der Sonne.  Die Sonne und ihr jeweiliger Stand am Himmel bestimmen unser Leben weit stärker als der Mond. Das haben die alten Ägypter schon mit Erfolg erforscht. Sie konnten anhand des Sonnenstandes genau voraussagen, wann der Nil  Hochwasser führt und das Land ringsum überschwemmt.

Auch die Völker im Norden legten sich Sonnenkalender an. Einer der berühmtesten Sonnenkalender ist der Steinkreis von Stonhenge in England.  Dieser Steinkalender ist schon zweitausend Jahre vor Christus errichtet worden. 500 Jahre vor Christi Geburt richteten die Römer ihren Kalender ein. Weil sie die Zeit noch nicht so genau berechnen konnten, schlichen sich Rechenfehler ein. Um den Kalender wieder zu korrigieren, mussten die Römer das Jahr 46 vor Christus um ganze 90 Tage auf 455 Tage verlängern.

Von den Römern stammen auch viele unserer Monatsnamen: Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November und Dezember. Der erste römische Kalender hatte nur 10 Monate. Er begann mit dem Monat März ( benannt nach dem Kriegsgott Mars ) und endete mit dem Dezember, dem zehnten Monat. Später setzte man noch die Monate Januar und Februar vor den bis dahin ersten Monat März.

Weil der römische Kalender immer wieder ungenau war, wurde der Kalender vor 400 Jahren erneut reformiert. Nach dem damals herrschenden Papst nennt man  diese Kalenderreform auch die Gregorianische Kalenderreform. Inzwischen hatten die Astronomen (die Sternen- oder Himmelsforscher ) errechnet, dass die Erde die Sonne in 365 Tagen und 6 Stunden einmal umkreist. Deshalb hat unser Jahr auch heute 365 Tage.

Weil sich die 365 Tage nicht gleichmäßig auf 12 Monate verteilen lassen,   sind unsere Monate unterschiedlich lang.  Ein zusätzliches Problem stellen die 6 übrig bleibenden Stunden dar. Hier haben sich die Kalendermacher mit einem Trick geholfen. Sie sammeln 4 Jahre lang die 6 Stunden und fügen diese 24 angesammelten Stunden alle vier Jahre als Schalttag am 29. Februar ein.  Das Jahr mit dem Schalttag heißt deshalb Schaltjahr. Wer am Schalttag geboren wird, kann eigentlich nur alle vier Jahre Geburtstag feiern.

7. Woche   -   Der Winter - eine kalte Jahreszeit

Die vier Jahreszeiten stimmen nicht genau mit unserem Kalender überein. Der Winter beginnt etwa acht Tage früher als das neue Jahr. Das spielt für unser Leben aber keine Rolle. Beginn und Ende der Jahreszeiten hängen von der Umlaufbahn der Erde um die Sonne und vom jeweiligen Stand der Sonne ab. Wenn bei uns auf der nördlichen Erdhalbkugel der Winter einzieht, beginnt südlich vom Äquator auf der Südhalbkugel der Sommer.

Schauen wir uns die Sache einmal näher an. Im Augenblick ist die Erde so zur Sonne geneigt, dass die Sonne den Menschen in Südafrika direkt senkrecht über dem Kopf steht. Hier bei uns in Deutschland beschreibt sie nur einen kleinen flachen Bogen, geht spät auf und am frühen Nachmittag schon wieder unter. Während die Menschen in Südafrika im Augenblick kaum einen Schatten werfen, sind unsere Schatten viele Meter lang.

Zur Zeit (abgekürzt : Z.Z. / z.Z. ) scheint die Sonne bei uns nur kurz, flach und schwach. Wenn diese schwachen Strahlen dann auch noch auf eine weiße Schneefläche treffen, werden sie von der Schneedecke nicht aufgenommen sondern reflektiert ( zurück geworfen,  umgelenkt, abgelenkt ). Praktisch heißt das: Die schräg einfallenden Sonnenstrahlen werden von der Schneefläche in den Weltraum abgelenkt. Sie können die Erde nur an den Südhängen erwärmen, die die Strahlen der Sonne nicht ablenken sondern regelrecht aufsaugen.

Die Winterzeit ist für die Natur eine harte Zeit. Gräser, Kräuter und Bäume haben sich schon im Herbst auf den Winter eingestellt. Aber auch die Tiere spüren, dass der Winter bevorsteht. Rehe, Hirsche und Wildschweine fressen sich deshalb im Herbst ein schützendes Fettpolster an. Igel überwintern im warmen Laubversteck, Eichhörnchen im Kobel und Dachse im warmen Bau. Der Fuchs ist ein Jäger. Würde er sich ein dickes Fettpolster anfressen, könnte er keine Beute mehr fangen. Deshalb ist er Tag und Nacht auf Futtersuche.

Auch die Vögel leiden jetzt Not. Weil sie als Flugtiere kein Fettpolster gebrauchen können, sind sie den ganzen Tag über auf Futtersuche. Blatt für Blatt drehen die Amseln im Wald und unter Büschen um, um noch ein Samenkorn, ein Würmchen, eine Spinne  oder eine Insektenpuppe zu finden. Kleiber, Spechte und Baumläufer suchen in der Rinde der Bäume nach Insekten. Besonders schwer haben es jetzt Mäusebussarde, Eulen und Käuze. Bei Schnee sausen die Mäuse unerrreichbar unter der schützenden Schneedecke hin und her.

8. Woche   -   Kalender, Monate, Jahreszeiten, Tag und Nacht

Als Susi im Dezember zur Bank ging, schenkte ihr die Frau am Bankschalter einen Taschenkalender und einen Wandkalender. Den Wandkalender heftete sie zu Hause an die Wand über ihrem Schreibtisch, den Taschenkalender steckte sie in ihre Schultasche. Auf der Vorderseite von Susis Wandkalender stehen die ersten sechs Monate des Jahres, auf der Rückseite die Monate des zweiten Halbjahres. Sie liest die Monatsnamen der Reihe nach: Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November und Dezember.

Dann zieht sie einen Bleistift aus ihrem Mäppchen und trägt die wichtigsten Geburtstage ein. Sie selbst hat am 21. März Geburtstag. Ihr Geburtstag fällt genau mit dem Frühlingsanfang zusammen. Neugierig geworden sucht sie auch den Sommeranfang, den Herbstanfang und den Winteranfang. Sie staunt, wie viele Feiertage im Kalender eingetragen sind: Fastnacht, Valentinstag, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Siebenschläfer, Erntedankfest, Tag der deutschen Einheit, Allerheiligen, Totensonntag und Weihnachten.

Tag und Nacht entstehen, weil sich die Erde einmal täglich um sich selbst dreht. Wir sagen auch: Die Erde dreht sich um ihre eigene Achse. Weil ja die Sonne ununterbrochen aus dem Weltall leuchtet und ihre Strahlen auch die Erde treffen, ist die Seite der Erde taghell, die zur Sonne weist. Weil die Sonnenstrahlen die Rückseite der Erde nicht treffen, herrscht dort Nacht. Dank der Drehung der Erde um ihre Achse, erhält jeder Teil der Erde täglich für einen halben Tag das Licht und die Wärme der Sonne. Ohne die Erddrehung/Erdrotation wäre die eine Seite der Erde hell und heiß, die Rückseite dunkel und eiskalt.

Susi möchte gerne wissen, ob es stimmt, dass ein Jahr 365  Tage hat. Sie nimmt ihren Taschenrechner und zählt die Tage der einzelnen Monate zusammen. Tatsächlich, das Jahr hat 365 Tage. Das ist die Zeit, die die Erde benötigt, um auf ihrer Bahn einmal um die Sonne zu kreisen. In der Schule hat sie auch gelernt, warum der Februar alle vier Jahre um einen Tag auf 29 Tag verlängert wird. Das liegt daran, dass die Erde für ihre Bahn um die Sonne nicht genau 365 Tage sondern 365 Tage und 6 Stunden benötigt. Diese überzähligen Stunden werden gesammelt. Wenn 24 Stunden für einen vollständigen Tag zusammen gekommen sind, schaltet man den 29. Februar als Schalttag ein. Jedes vierte Jahr ist deshalb ein Schaltjahr.

Im Lexikon findet sie eine Zeichnung, die die Erde auf  ihrer Bahn um die Sonne zeigt. 365 Tage und 6 Stunden ist die Erde unterwegs, um diese Bahn einmal zu durchlaufen. Vom Globus weiß Susi, dass die Erde und die Erdachse nicht genau senkrecht sondern ein wenig geneigt stehen. Das erklärt auch, warum die Jahreszeiten entstehen. Wenn die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne sich mit ihrer oberen Hälfte zur Sonne neigt, herrscht oben auf der Nordhalbkugel Sommer, unten auf der Südhalbkugel Winter. Auf der gegenüber liegenden Seite der Umlaufbahn zeigt die untere Hälfte der Erde zur Sonne. Jetzt herrscht auf der Südhalbkugel Sommer und bei uns oben auf der Nordhalbkugel Winter.

Die Neigung der Erdachse hat auch noch ein anderes Phänomen zur Folge. Solange die Nordhalbkugel zur Sonne geneigt ist, geht die Sonne am Nordpol nicht unter. Im Land der Eskimos und der Eisbären ist es dann ein halbes Jahr lang Tag. Diesen langen Tag nennen wir Polartag. Er ist 182   Tage lang. Gleichzeitig ist es am Südpol in der Antarktis 182 Tage Nacht. Verändert die Erde ihre Position auf der Umlaufbahn, neigt sich die Südhalbkugel zur Sonne. In der Antarktis geht dann für 182 Tage die Sonne auf. Auf der Nordhalbkugel beginnt dann die 182 Tage lange Polarnacht.

9. Woche   -   Vulkane und Erdbeben

Mitten in Afrika ist vor zwei Wochen ein großer Vulkan ausgebrochen. Sein Name ist Nyiragonga. Diesen Namen müssen sich nur die Geologen und die Vulkanologen merken. Für uns reicht es zu wissen,   dass dieser Vulkan etwa 300 Kilometer östlich vom Viktoria-See (Lake Victoria ) in Ostafrika liegt. Dieser Vulkan ist einer von tausenden Vulkanen im Ostafrikanischen Graben. An dieser Stelle zerreißt der afrikanische Kontinent in zwei Teile.

Um das zu verstehen, solltest du einmal deinen Atlas aus dem Regal holen und die Afrika-Karte aufschlagen. Vor langer Zeit hat sich schon Arabien vom afrikanischen Kontinent gelöst. In den tiefen Graben zwischen Afrika und Arabien strömte Wasser aus dem Indischen Ozean und bildete dort das Rote Meer. Ähnliches passiert jetzt in Ostafrika. Dort bilden sich mehrere tiefe Gräben. Der bekannteste Graben ist das Rift Valley.

Wo die Erdkruste brüchig und schwach ist, drängen Gase und Lava aus dem Erdinneren an die Erdoberfläche. Entlang des Ostafrikanischen Grabens bildeten sich zahllose Vulkane. Der bekannteste Vulkan Afrikas ist ist der Kilimanjaro ( sprich Kilimandscharo). Sein schneebedeckter Gipfel ist fast 6000 Meter hoch. Auch wenn der Kilimanjaro lange Zeit nicht mehr aktiv war, kann er jederzeit wieder ausbrechen.

Vulkane, die ständig Gase und feurige Lava ausstoßen sind aktive Vulkane. Vulkane, die über einen längeren Zeitraum nicht aktiv sind nennen wir ruhende Vulkane. Sie können jedoch jederzeit wieder ausbrechen. Die geringste Gefahr geht von den erloschenen Vulkanen aus. Diese haben sich selbst ungefährlich gemacht. Mit einer dicken und festen Lavadecke haben sie die Wunde in der Erdoberfläche so fest geschlossen, dass an dieser Stelle aller Wahrscheinlichkeit nach kein Vulkan mehr ausbrechen kann.

Der Vogelsberg mitten in Hessen ist so ein erloschener Vulkan. Er gilt als der größte erloschene Einzelvulkan Europas. Auch Westerwald und Rhön sind erloschene Vulkane. Bei der Eifel sind sich die Vulkanologen nicht sicher, ob dort nicht noch einmal ein Vulkan ausbrechen könnte. Letztmals brachen vor gut 10.000 Jahren in der Eifel Vulkane aus. Auch das obere Rheintal ist eine Bruchspalte in der Erde. Immer wieder bebt dort die Erde, wenn sich die auseinander gerissenen Erdschollen verschieben.

Der bekannteste Vulkankegel in der Oberrhein-Ebene ist der Kaiserstuhl. Er ist bekannt für die vorzüglichen Weintrauben, die an seinen Hängen gedeihen. Vulkanhänge sind meistens warm und fruchtbar. Das ist der Grund dafür, dass die Menschen trotz aller Gefahren immer wieder an den Hängen der Vulkane siedeln und Ackerbau betreiben. Wenn dann einmal ein Vulkan ausbricht, ist die Not groß.  Häuse versinken unter Lava und Asche. Menschen ersticken in giftigen Gaswolken.

Besonders dramatisch war vor 2000 Jahren der Ausbruch des Vesuvs bei Neapel in Italien. Innerhalb weniger Stunden verschüttete er die Stadt Pompeji unter Lavabomben und Asche. Nur wenige Einwohner entkamen dem Inferno. Mehr Glück hatten die Bewohner Siziliens, als vor einigen Jahren der Ätna ausbrach. Er verschüttete Häuser und Felder, forderte aber keine Menschenleben. Eine der größten Vulkaneruptionen liegt schon mehr als 100 Jahre zurück. Als der Krakatau in Indonesien ausbrach, schleuderte er Lavagestein 58 Kilometer weit. Gleichzeitig löste die Explosion eine 40 Meter hohe Flutwelle* aus. Mehr als 30.000 Menschen sind damals ums Leben gekommen.

·         Die großen Flutwellen, die durch Vulkaneruptionen oder Erdbeben ausgelöst werden, bezeichnet man als Tsunami !

·         Wenn ein Vulkan ausbricht und der Vulkankegel mit seinem Krater erhalten bleibt sprechen wir von einer Eruption.

·         Wenn der Vulkan während des Ausbruchs explodiert, sprechen wir von einer Explosion.

10. Woche  -   Schätze aus den Tiefen der Erde

Vor mehreren Milliarden Jahren wurde während einer großen Explosion auf der Sonne ein Stück ihrer Materie in das Weltall geschleudert. Die Anziehungskraft der Sonne ließ es nicht zu, dass dieses glutflüssige Stück Sonnenmaterie einfach so ins Weltall hinaus flog. Sie hielt es zurück und zwang es auf eine Umlaufbahn um die Sonne. Langsam kühlte der Himmelskörper ab. Damals begannen sich Kontinente und Meere zu bilden. Heute kreist dieser Himmelkörper als Erde um die Sonne.

Wenn wir heute Messer und Gabel in die Hand nehmen, denkt niemand daran, dass die Sonne der Erde diese wertvollen Gaben mit auf den Weg gegeben hat. Forscher haben anhand von Bodenproben schon errechnet, wie viel Eisen, wie viel Silber und Gold in den Tiefen der Erde verborgen ist. Es gibt aber auch ein Reihe von Schätzen, die erst später auf der Erde selbst entstanden sind.

Kohle ist ein solcher Bodenschatz. Zwar hatte die Erde damals auch das Element Kohlenstoff in ihrem Fluggepäck, doch Kohle selbst ist erst hier auf der Erde entstanden. In der Karbonzeit versanken endlose Wälder in riesigen Mooren und Sümpfen. Schutt, Geröll und Erde verschütteten diese Moore und Sümpfe. Weil keine Außenluft an die versunkenen Bäume heran kam, konnte das Holz der Bäume nicht vermodern und wieder zu Erde werden. Unter dem Druck der aufliegenden Gesteinsmassen versteinerten die Bäume zu Steinkohle.    

Hie und da ragte ein Stück dieser Kohlenlager bis an die Erdoberfläche. Wahrscheinlich haben sich die frühen Menschen über diese brennbaren Steine gewundert. Sie sammelten sie und nahmen sie mit in ihr Lager oder in ihre Höhle. Dort spendeten die Kohlensteine wohlige Wärme. Als die Menschen nach einiger Zeit alle an der Oberfläche erreichbaren Steine verfeuert hatten, gruben sie in der Erde nach der begehrten Kohle. Sie folgten den Kohlelagern (Flöz-Flöze) tief in die Erde. Dazu gruben sie waagrechte Stollen und senkrechte Schächte.  So entstanden die ersten Bergwerke.

An manchen Stellen war die Steinkohle einem besonders hohen Druck ausgesetzt. Hoher Druck erzeugt Hitze. In dieser Hitze verwandelte sich der schwarze Kohlenstoff in glasklare Diamanten. Wer ein Stück Kohle in die Hand nimmt, kann sich kaum vorstellen, dass sich dieses unter Druck in einen wertvollen Diamanten verwandelt. Forscher und Ingenieure haben sich inzwischen die Natur zum Vorbild genommen und stellen in großen Pressen unter hohem Druck künstliche Diamanten her.

Neben Kohle und Diamanten gibt es noch viele andere Schätze in den Tiefen der Erde. Um an diese Schätze zu gelangen, graben Menschen riesige Löcher in die Erde. An anderer Stelle treiben sie enge Stollen und Schächte in den Boden, bis sie zur Lagerstätte der gesuchten Bodenschätze gelangen. In den Tiefen der Erde finden sie Metalle, Mineralien, Gas und Öl. Bevor die Bergleute mit dem Abbau der Bodenschätze beginnen können, erforschen und vermessen Geologen (Gesteinsforscher) und Geodäten (Erdvermesser) die Lagerstätten.    

11. Woche   -   Länder, Völker, Menschen

Im Paradies war es sicherlich sehr einsam. Adam war deswegen wahrscheinlich nicht traurig, als Gott ihm eine Rippe nahm und daraus Eva schuf. Weil die Herkunft der Menschen für die Menschen so rätselhaft war, haben die Verfasser der Schriften des Alten Testamentes diese anschauliche Vorstellung von der Erschaffung der Menschen auf Tontäfelchen, Pergamentrollen und Papyrusblättern   niedergeschrieben.  (Aus dem Wort Papyrus ist auch unser Wort Papier entstanden.

Das Paradies lag in Ostafrika. Von dort stammen die ältesten Funde menschlicher Fossilien. Auf der Suche nach Spuren frühzeitlicher Menschen , stieß ein britischer Forscher in Tanzania - dem früheren Deutsch-Ostafrika - in erkalteter Lava auf die Spuren eines aufrecht gehenden Wesens. Dieses Wesen hat ein Lavafeld überquert, dessen Lava noch weich war. Als die Lava später erkaltete, versteinerten die Fußabdrücke und blieben uns so erhalten.

Die Forscher legten die Fußspuren frei, fertigten davon Gipsabdrücke für die Wissenschaft und deckten die Fußspuren dann wieder mit Sand und Staub zu, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Die Abdrücke der Fußspuren sind heute im kenianischen National-Museum in Nairobi ausgestellt. Ebenfalls in Tanzania fand man das Skelett eines aufrecht gehenden Wesens. Forschungen ergaben, dass dieses Skelett etwa 3 Millionen Jahre alt ist. Es stammt von einer noch sehr kleinwüchsigen Frau. Weil es eines Tages vielleicht nocht ältere Skelettfunde geben wird, nannten die Forscher das Skelett nicht Eva sondern Lucy.

Diese Funde weisen darauf hin, dass die Wiege der Menschheit in Ostafrika liegt. Von hier aus sind die ersten Menschenhorden nach Süden und nach Norden   aufgebrochen, um neue Lebensräume zu erschließen. Tag für Tag finden die Archäologen* neue Hinweise auf die Ausbreitung der Menschheit. Ein Zweig der Urmenschen wanderte bis Südafrika. Ein anderer Zweig folgte dem Nil nach Nordafrika und von dort nach Vorderasien.

Dort wo heute Syrien und der Irak liegen, trennten sich die Wege der Frühmenschen. Ein Teil von ihnen wanderte nach Westen und besiedelte das heutige Europa, ein anderer Teil besiedelte Asien. Über Südostasien gelangten die Menschen auf die Südseeinseln und selbst nach Australien. Als entferntester Kontinent wurde Amerika besiedelt. Der Weg nach Amerika führte über die nordöstlichste Spitze Asiens.  Im  Winter, als das Polarmeer zugefroren war, gelangten die Menschen zu Fuß von Asien nach Alaska. Von dort breiteten sie sich bis nach Feuerland an der Südspitze des amerikanischen Kontinents aus. 

Abgesehen von der Antarktis unterscheiden wir 5 Kontinente: Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien. Nach den Kontinenten sind auch ihre Bewohner und Bewohnerinnen benannt: Europäer, Europäerinnen, Asiaten, Asiatinnen, Afrikaner, Afrikanerinnen, Amerikaner, Amerikaninnen, Australier und Australierinnen. Vielleicht nehmt ihr euch ja jetzt einmal euren Atlas vor und werft mal einen Blick auf die Wege der Menschheit. Es ist auch ein schönes Spiel, ein Land zu nennen und dazu die Namen der Einwohner zu finden.

* Archäologen sind Wissenschaftler, die Geschichte anhand von Ausgrabungen und Funden erforschen und belegen (beweisen).

* Anthropologen sind Wissenschaftler, die sich mit den Menschen und ihrer Entwicklung befassen.

* Erweitere dein Wissen: Wie heißt die Wissenschaft der Archäologen, wie heißt die Wissenschaft der Anthropologen ? Wie nennt man Frauen, die diese Fachgebiete studiert haben ?

12. Woche  -  Gesundheit und Krankheit

Als Ute mittags aus der Schule kommt, hat sie einen heißen Kopf. Sie niest und hustet. Sie hat sich erkältet. Oder ist es vielleicht eine Grippe? Mutter holt das neue Fieberthermometer und steckt es Ute ins Ohr. Im Handumdrehen zeigt das Thermometer Utes Körpertemperatur an: 39 Grad. Sie hat Fieber.  Mutter ruft den Hausarzt an und bittet ihn, nach Ute zu schauen.

Gegen Abend klingelt der Arzt an der Haustür. Mutter öffnet die Tür und führt ihn in Utes Zimmer. Doktor Petermann stellt seine Tasche ab, desinfiziert seine Hände und beginnt, Ute zu untersuchen. Er schaut ihr in die Augen, in die Nase und in den Hals. Mit dem Stethoskop hört er Utes Herztöne und die Atemgeräusche ab. Dabei misst er auch ihren Puls.

Ute hat die Grippe. Doktor Petermann verordnet ihr Bettruhe.   Er verschreibt ihr auch Hustensaft, Lutschtabletten gegen Halsschmerzen und Zäpfchen gegen das Fieber. Utes Mutter geht mit dem Rezept in die Apotheke. Die Apothekerin schaut auf das Rezept und holt die verschriebenen Arzneien aus den Schubladen. Sie packt sie in eine kleine Tüte, steckt noch ein paar Gratispäckchen mit Halsbonbons dazu und lässt Ute eine gute Besserung ausrichten.

Als erstes nimmt Ute einen Löffel Hustensaft. Der schmeckt richtig gut. Mutter erzählt ihr dabei von den Arzneien, die sie als Kind einnehmen musste. Die waren nicht so schmackhaft wie die heutigen  Arzneien. Die waren meist sehr bitter und waren auch nicht so wirksam wie die modernen Medikamente. Schon eine Stunde, nachdem Ute das erste Fieberzäpfchen erhielt, ging das Fieber schon zurück.

Dank der modernen Medizin und dank der wirksamen Medikamente, sind viele Krankheiten nicht mehr so gefährlich wie früher. Zum Schutz gegen Infektionen werden Kinder und Erwachsene heute gegen viele gefährliche Krankheiten geimpft. Dank der Impfstoffe haben viele Krankheiten ihren Schrecken verloren. Einer der bekanntesten Ärzte und Forscher war Emil von Behring. Er entwickelte die Impfstoffe gegen Diphtherie und Tetanus. Seine Seren retteten Millionen Kindern das Leben.

Das Leid, die Schmerzen und der Tod vieler Kinder hat Ärzte und Forscher veranlasst, wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen die heimtückischen Krankheiten zu entwickeln. Der amerikanische Wissenschaftler Salk entwickelte einen Impfstoff gegen die heimtückische Kinderlähmung. Alexander Flemings  Penizillin, das er aus dem grünen Schimmelpilz gewann, rettete inzwischen wahrscheinlich schon Milliarden Menschen das Leben.

Zu deiner Information:

·         Wenn man vom Arzt spricht,   verwendet man häufig das Wort Doktor. Das ist aber nicht immer korrekt. Der Beruf heißt Arzt. Nur wenn der Arzt eine zusätzliche Prüfung abgelegt hat, darf er den Doktor-Titel führen. Z.B.  Dr. Petermann !

·         Den Titel Doktor können auch Physiker, Chemiker, Juristen, Ingenieure und andere Berufe mit abgeschlossenem Studium führen. Den Doktor-Titel erhält man nur, wenn man eine zusätzliche wissenschaftliche Arbeit geschrieben hat und eine zusätzliche Prüfung abgelegt hat. Ein Wissenschaftler mit Doktor-Titel hat promoviert (Promotion) . Es gibt aber auch "Ehren-Doktoren". Diesen Titel erhalten Menschen, die besondere Verdienste erworben haben.

·         Es gibt auf der Erde unzählige Infektions-Krankheiten. Krankheiten, die vor allem Kinder befallen, nennt man Kinderkrankheiten. Die bekanntesten Kinderkrankheiten in Europa sind Masern, Röteln, Windpocken und Scharlach. Die gefährlichen Krankheiten wie Kinderlähmung, Pocken, Typhus und Diphtherie sind zumindest in Europa besiegt.

13. Woche   -   Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte

Das Wort Familie kommt aus der lateinischen Sprache. Das war die Sprache, die einst die Römer sprachen und schrieben. Weil die Römer über viele Jahrhunderte die Länder rund um das Mittelmeer beherrschten, hat man in den beherrschten Gebieten viele lateinische Wörter in die Sprache aufgenommen. So auch das Wort Familie. Ihr kennt es sicher auch aus der englischen Sprache. Da sagt man "family". Denkt nur einmal an die"Kelly Family". Bei den Franzosen klingt es weicher. Die sprechen "Famille" wie wir das Wort Vanille.

Familia hat in der lateinischen Sprache viele Bedeutungen: An erster Stelle Familie, aber auch Hausgenossenschaft, Vermögen, Gesinde, Bande oder Sekte. Ganz streng genommen zählen die Juristen nur Verwandte zur Familie. Das sind Menschen, die voneinander abstammen oder angeheiratet sind. Dabei unterscheiden sie enge Verwandte und weitere oder weitläufig Verwandte.

Zur engen Verwandschaft zählen Großelteren, Eltrn und Kinder. Natürlich auch Brüder und Schwestern, also Geschwister. Damit ist schon Schluss mit der engen Verwandtschaft. In einem weiteren Umkreis der Verwandtschaft kennen wir Onkel und Tante und deren Kinder. Die Kinder von Onkel und Tante sind unsere Cousins und Cousinen. Früher waren Cousins Vettern und Cousinen Basen.  Aus der Sicht von Onkel und Tante heißen die Kinder der Geschwister Nichten und Neffen. Nichten sind die Mädchen, Neffen die Buben.

Zur weiteren Verwandschaft zählen wir die Geschwister unserer Großeltern und deren Kinder und Kindeskinder. In dieser Verwandtschaftsbeziehung gebrauchen wir gerne den Zusatz "Groß-". Die Geschwister der Großeltern nennt man oft Großtante und Großonkel, deren Kinder und Enkel Großcousin und Großcousine. Für weitere Verwandschaften fehlen uns die Wörter.

Man kann aber auch miteinander verwandt sein, obwohl keine leibliche, also keine genetische Verwandtschaft besteht. So wird die Mutter der Braut bei der Hochzeit automatisch zur Schwiegermutter des Bräutigams.  Der Vater der Braut wird zum Schwiegervater.  Der Bruder der Braut wird für den Bräutigam zum Schwager. Die Schwester der Braut wird für den Bräutigam zur Schwägerin.

Es kann aber auch einmal der Fall eintreten, dass sich Eltern trennen oder ein Elternteil stirbt. Heiratet die Mutter dann erneut, wird der neue Mann zum Stiefvater. Wenn er das Kind jedoch adoptiert, wird er rechtlich gesehen zum Vater. Im umgekehrten Fall wird eine neue Mutter zur Stiefmutter. Wenn sie das Kind adoptiert, wird sie rechtlich gesehen zur Mutter. In Märchen ist immer wieder von bösen Stiefmüttern und Stiefvätern die Rede. Weil das in der Wirklichkeit heute nicht mehr so ist, sind es eben Märchen.

Interessant zu wissen:

Auch die Wörter Adoption und adoptieren kommen aus der lateinischen Sprache. Adoption hieß auch damals schon Adoption, adopto hieß "auswählen".

14. Woche   -   Sonnenschein und Regenwetter

Ein bekanntes Sprichwort lautet: ,,Gegensätze ziehen sich an".  Das Sprichwort ist zwar auf   zwischenmenschliche Beziehungen gemünzt, passt aber auch sehr gut auf das Wetter und seine Erscheinungen. Regen und Sonne gehören nämlich wirklich eng zusammen. Die Sonne erwärmt die Luft. Erwärmte Luft dehnt sich aus. Sie kann jetzt zusätzlich viel mehr Feuchtigkeit aufnehmen, die durch die Sonnenwärme verdunstet wird.

In der Wüste gilt diese Regel nur bedingt. Auch dort würde die warme Luft sehr gerne zusätzliche Feuchtigkeit aufnehmen, wenn sie nur da wäre. Dass es auch in der heißen Wüstenluft eine Menge Feuchtigkeit gibt, beweist uns der Tau, der frühmorgens auf den wenigen Pflanzen liegt. Wenn die Sonne steigt und die Wüste erwärmt, verflüchtigt sich der Tau in der heißen Luft, um sich in der nächsten kühlen Wüstennacht erneut auf den Pflanzen niederzuschlagen.

Bei uns werden die Beziehungen zwischen Sonnenschein und Regenwetter deutlicher. Ihr konntet bestimmt schon einmal beobachten, wie die Sonne nach einem starken Regen das Wasser auf den Straßen, auf den Feldern, den Wiesen und über den Wasserflächen zum Verdunsten bringt. Man kann dann richtig sehen, wie die Nebelwolken vom Boden aufsteigen und in der Luft verschwinden. Hoch oben über der Erde werden die feinen Verdunstungströpfchen wieder als Wolken sichtbar.

Das hat seinen Grund. Hoch oben über der Erde ist es wesentlich kälter als auf der Erdoberfläche. Dies gilt auch für die feinen Staubpartikelchen, die in der Atmosphäre enthalten sind. Treffen die feinen verdunsteten Wassertröpfchen nun auf eines dieser kleinen kalten Staubteilchen, so schlagen sie sich dort nieder. Die Wissenschaftler sagen: Sie kondensieren. So bilden sich die Wolken. Wenn die Wolken weiter abkühlen, setzt Regen ein. Es regnet dann so lange, bis die Wolken aufgelöst sind. Nun kann die Sonne wieder scheinen.

Nun können wir uns auch erklären, warum es über den deutschen Mittelgebirgen und über den Alpen besonders viel regnet oder auch schneit. Die meisten Wolken, die über Deutschland ziehen, kommen vom nördlichen Atlantischen Ozean. Dazu gehört auch die Nordsee.   Aus diesem Grund ziehen bei uns die Wolken meist von Südwesten, Westen oder Nordwesten heran. Weil ihnen die Mittelgebirge im Weg stehen, müssen sie aufsteigen. Dabei kühlen sie ab. Die Wassertröpfchen kondensieren zu Regentropfen und regnen zu Boden.

Diktate 2. Quartal
Die Reihenfolge der Texte kann den jeweiligen Vorstellungen und Erfordernissen angepasst werden.
Um besser schreiben zu lernen, ist es auch nicht unbedingt erforderlich, alle Texte durchzuarbeiten.
Auch mit der Übung eines Teils der Texte stellen sich schon Verbesserungen ein.

15. Woche   -   Von der Landwirtschaft

Adam und Eva hatten es einfach. Sie lebten im Paradies. Hatten Sie Hunger, mussten sie nur an die nächsten Früchte tragenden Bäume gehen, sich eine Banane, eine Nuss oder gar einen Apfel pflücken und schon hatten sie zu essen. Der Wunsch, einfach von der Natur ernährt zu werden, war auch die Grundlage für das Märchen vom Leben wie im Schlaraffenland. Noch heute streifen in den Urwäldern Afrikas, Südamerikas und Ostasiens einzelne Stämme als Jäger und Sammler durch den Dschungel.

Die Sammler und Jäger ernährten sich von dem was sie fanden und jagten. Den weitaus größten Teil der Menschheitsgeschichte ernährten sich die Menschen auf diese Weise.  Irgendwann einmal fielen den Jägern auch junge Kälber von Wildrindern, Zicklein von wilden Ziegen oder Lämmer von Wildschafen in die Hände. Sie nahmen die Tiere als lebende Speisekammer mit in ihr Dorf. Dort wurde diese an Stämme gebunden. Wurde das Futter rund um die Stämme knapp, band man die Tiere einige Meter weiter an die nächsten Bäume..

Diese Aufgabe übernahmen die Kinder. Die jungen Tiere akzeptierten die Kinder als ihre Eltern. Sie wurden zahm. Als dann die Jäger eines der Tiere schlachten wollten, protestierten die Kinder und die Frauen. So mussten sich die Jäger auf die Jagd begeben, um frisches Fleisch herbeizuschaffen. Inzwischen waren die zahmen Tiere erwachsen geworden. Sie paarten sich und setzten eigene Junge. Aus wenigen Tieren wurde eine kleine Herde. Frauen und Kinder hüteten die Herde. Sie waren die ersten Hirten.   

Wenn ein Rind sein erstes Kalb setzt, beginnt es, in seinem Euter Milch zu produzieren.  Auch hier waren es sicherlich die Kinder, die einmal von der Milch der Kuh probieren wollten. So entdeckten die Menschen ganz zufällig, dass die Milch von Kühen, Ziegen und Lämmern ganz hervorragend als Nahrung für Menschen geeignet ist.  Aus Jägern und Sammlern wurden Hirten. Noch heute gibt es in Asien und Afrika Hirtenvölker, die fast ausschließlich von der Milch und dem Fleisch ihrer Tiere leben.

Hirtenvölker sind nicht sesshaft. Sie folgen mit ihren Herden der Nahrung. Sie schlagen ihre Zelte immer dort auf, wo das beste Gras sprießt.   Fand ein Stamm einmal besonders gute Weidegründe, entschlossen sich die Stammesältesten, hier so lange wie möglich zu bleiben. Sie errichteten eine festere Siedlung. Ihre Herden weideten unter der Aufsicht der Hirten rund um die Siedlung.

Nebenbei sammelten die Menschen für ihre Ernährung auch noch Früchte und Samen. Natürlich sammelten sie bevorzugt die besten Früchte. Sie bewahrten sie in Körben, Säckchen und Tongefäßen auf.  Dabei kann folgende Geschichte passiert sein: Eines der Kinder verschüttete einmal ein Säckchen mit ausgewählt großen Grassamen. Während es die Samen auflas, kam die Mutter aus der Hütte. Schnell packte das Kind das Säckchen in sein Gewand und deckte Erde über die verschütteten Samenkörner.

16. Woche   -   Getreide

Der kleine Vorfall geriet in Vergessenheit. Als die kleinen Samenkörner wenige Wochen später keimten und kräftige Halme aus der Erde wuchsen, beichtete das Kind seiner Mutter den Vorfall von damals. Nachdenklich schaute sich die Mutter die prächtigen Halme an, die ihrerseits wieder besonders große Samen trugen. Sie wartete bis die Samen reif waren, streifte sie von den Halmen und säte sie auf ein kleines Stück Land, das sie besonders sorgfältig für die Saat vorbereitete.

Schon im Herbst sprossen zahlreiche grüne Spitzen aus dem Boden. Zum Schutz gegen die hungrigen Ziegen und Kühe musste das kleine Feld eingezäunt werden. Im Frühjahr staunten die Dorfbewohner nicht schlecht. Noch nie hatten sie so viele kräftige Samen tragende Halme auf einem Platz gesehen. Neugierig befragten sie die Besitzerin des kleinen Feldes nach den Hintergründen. Als dann im Sommer die Gräser wieder Samen trugen, machten sich alle Dorfbewohner auf den Weg, um Samen für die Saat rund um ihre Hütten zu suchen.

Die kleinen Äcker rund um die Hütten machten die Menschen sesshaft. Aus umherziehenden Hirten wurden Bauern. Sie lernten, das Land für die Saat vorzubereiten, das Land zu düngen, die Früchte zu schützen, zu ernten und aufzubewahren. Erfunden wurde der Ackerbau entlang der drei großen Flüsse, die wir aus der Bibel kennen: Am Nil im heutigen Ägypten, an Euphrat und Tigris im heutigen Syrien und Irak.

Von dort verbreitete sich die Kunst des Ackerbaus nach Westen. So lernten auch die Menschen in Mitteleuropa die Vorteile des Ackerbaus schätzen. Wer Ackerbau betreibt, muss nicht mehr ständig auf der Suche nach Nahrung hin- und herziehen. Wer Ackerbau betreibt, kann sich schöne und sichere Hütten und Häuser bauen. Wer Ackerbau betreibt und die Erntefrüchte als Vorräte verwahrt, schützt sich vor Hungersnot. Denkt nur an die biblische Geschichte, an die Träume des Pharao und an Josef, der die Träume richtig deutete und in den sieben fetten Jahren die Vorräte für die sieben mageren Jahre anlegen ließ.

Ein großer Fortschritt im Ackerbau war es, als die hölzernen Pflüge durch eiserne Pflüge ersetzt wurden. In Mitteleuropa gab es besonders viel Eisen und Wald. Hier gruben die Kelten nach Eisen, schmolzen es und schmiedeten daraus Pflüge. Mit keltischen Pflügen wurden riesige Flächen für den Ackerbau erschlossen. Der Ackerbau machte es möglich, dass die Menschen verschiedenen Arbeiten nachgehen konnten. Während die einen das Land bebauten, gruben andere das Eisenerz aus der Erde aus dem wiederum andere Schaufeln, Hacken, Äxte und Pflüge schmiedeten.

So entwickelte sich ein reger Tauschhandel: Nahrungsmittel gegen Eisenerz, Eisenerz gegen Eisenwaren. Weil aber Bauern, Bergleute und Schmiede bei ihrer Arbeit bleiben wollten, übernahmen andere die Abwicklung des Tauschhandels. Der Beruf des Händlers entstand. Seit die Menschen ihre Äcker mit leistungsfähigen Pflügen bearbeiteten, wuchsen die Erträge. Es gab mehr Nahrung als je zuvor. Deshalb gab es auch mehr Menschen als je zuvor. Sie rodeten die Wälder und legten dort Felder an. Heute wird in Deutschland etwa die Hälfte der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt.

17. Woche   -   Getreide

Der Titel des alten Liedes ist auch heute noch aktuell. Im Märzen, heute sagen wir März, spannt der Bauer seine Rösslein ein. Eine Änderung hat sich jedoch ergeben.  An Stelle ( man darf auch anstelle schreiben ) seiner Rösser spannt er einen Traktor mit vielen Pferdestärken (PS) vor seinen Pflug. Früher nannte man den Traktor hie und da auch Bulldog.    So ganz stimmt auch das Wort Traktor nicht mehr, weil moderne Traktoren inzwischen vielseitig ausbaubare Zug- und Arbeitsmaschinen sind.

Heute wollen wir den Bauern einmal bei der Feldarbeit begleiten. Halt ! Wir haben da einen Fehler gemacht. Moderne Bauern werden als Landwirte bezeichnet. Viele von ihnen sind sogar Agrar-Ingenieure. Wir nehmen auf dem Notzsitz in der klimatisierten Kabine des Traktors Platz. Derweil koppelt der Landwirt die Sämaschine an den Traktor. In die Sämaschine füllt er die Saatkörner. Hinter den Töpfen für die Saatkörner sind die Töpfe für den Dünger befestigt.

Sanft brummend fahren wir in die Feldgemarkung. Am Feld angekommen richtet der Landwirt den Traktor aus. Er senkt die Sämaschine ab und richtet sie für die Aussaat ein. Das Feld selbst hat er schon vor dem Winter gepflügt und vor wenigen Tagen mit Grubber (grubbern) und Egge (eggen) für die Saat vorbereitet. Brummend setzt sich der Traktor in Bewegung. In einer Fahrt sät er etwa 20 Saatreihen. Jedes Korn wird einzeln und in genau bestimmtem Abstand in den Boden gesetzt.

Zu jedem Korn bringt die Sämaschine auch ein Körnchen Dünger in den Boden. So gehen weder Körner noch Dünger verloren.  Am Ende der Saatmaschine ist eine Walze befestigt. Sie verdichtet den Boden über den Saatkörnern. So gelangen die Würzelchen des keimenden Korns sofort an Nahrung und Feuchtigkeit. Nach knapp zwei Wochen sieht man das ganze Feld grün schimmern. Die ersten Getreideblättchen drängen fast gleichzeitig aus dem Boden.

Die kleinen Pflänzchen eilen sich mit dem Aufwuchs. Sie müssen die warme Jahreszeit nutzen, um Ähren und Körner zu schieben. Im Juni werden die Körner milchreif, im Juli trocknen sie unter der heißen Sonne. Dann hört man das Getreide richtig knistern. Ab Mitte Juli werden die ersten Getreideschläge gedroschen. Mitte August muss die Getreideernte beendet sein, weil dann die Tage kürzer und kühler werden.

Getreide ist aus besonderen Gräsern gezüchtet worden. Wir unterscheiden heute Wintergetreide und Sommergetreide. Die beiden Begriffe sind verwirrend. So können wir sie uns aber leicht merken: Wintergetreide steht schon im Winter auf dem Feld. Es wird im Spätsommer des Vorjahres ausgesät. Sommergetreide steht nur im Sommer auf dem Feld. Es wird kurz vor Sommer ausgesät.

In Deutschland werden vor allem Weizen, Roggen und Gerste angebaut. Weizen mahlt man zu feinem Mehl für Kuchen, Brötchen, Weißbrot und andere Leckereien. Roggen ( Korn) wird vor allem für die Brotbäckerei verwendet, Gerste als Futter, zur Herstellung von Graupen und für die Bierbrauerei. Inzwischen findet man aber auch viele andere Getreidesorten auf den Feldern:   Alte Getreidesorten wie Emmer und Dinkel und Neuzüchtungen wie Triticale.

Das Getreide wird geerntet, wenn es reif und trocken ist. Früher schnitt der Bauer das Getreide mit Sichel oder Sense. Die Halme wurden zu Garben gebunden, die auf dem Feld zum Trocknen aufgestellt wurden. Wenn Halme und Ähren trocken waren, fuhr man die Garben in die Scheune. Auf dem Dreschboden, der Tenne, wurden die Garben mit dem Dreschflegel bis auf das letzte Korn gedroschen. Mit einem Sieb wurde die Spreu vom Weizen getrennt.  

Es war eine große Erleichterung, als die erste Dreschmaschine erfunden war. Die Garben wurden in einen großen Trichter hineingestopft und in der Dreschmaschine so lange gerüttelt und geschüttelt, bis auch das letzte Korn im Sack gelandet war. Die Spreu wurde einfach hinten aus der Dreschmaschine geblasen. Heute erledigt der Bauer das Ernten und das Dreschen in einem Arbeitsgang.

Mit dem breiten Mähwerk des Mähdreschers schneidet er die Ähren kurz über dem Boden ab. Die Ähren werden in das Dreschwerk gezogen und dort gedroschen. Die Körner wandern in einen großen Behälter, Stroh und Spreu werden auf das Feld geblasen. Das Stroh wird später zu Ballen gewickelt und gepresst. Spreu und die Stoppeln werden in den Boden eingearbeitet.

Noch auf dem Feld wird das geerntete Getreide auf große Hänger geladen und zur genossenschaftlichen Sammelstelle transportiert. Dort werden die Körner in große Silos geblasen oder gesaugt. Dabei wird das Getreide gleich noch einmal gereinigt. Mit Luft geht das ganz einfach: Die schwereren Körner fallen ins Silo, während die leichte Spreu einfach in ein anderes Silo geblasen wird. 

* Erfinder dieser Genossenschaften war Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Nach ihm sind noch heute Genossenschaften und Banken benannt.

Im Labor der Genossenschaft werden dann noch Qualtät und Feuchtigkeitsgehalt des Getreides geprüft. Feuchte Körner wiegen mehr als trockene Körner. Sollten die Körner wegen der in ihnen enthaltenen Feuchtigkeit zu schwer sein, erhält der Bauer entsprechend weniger Geld. Zusätzlich werden ihm noch die Kosten für die nachträgliche Trocknung in der Trocknungsanlage berechnet.

Bis zum Verkauf lagert das Getreide getrennt nach Sorten in großen Speichern. Nach und nach wird das Getreide an die großen Mühlen verkauft. Dort wird aus den Körnern Mehl für Brot, Brötchen, Kuchen und Nudeln gemahlen. Aus Körnern bester Qualität wird Vollkornmehl hergestellt. Andere Körner werden zu Haferflocken oder Müsliflocken gequetscht. Wenn wir im Geschäft eine Flasche Schnaps sehen, erinneren wir uns daran, dass aus Körnern auch Korn gebrannt wird.  

18. Woche   -   Mais, Kartoffeln, Nudeln und Reis

Getreide ist ein besonders wichtiger Baustein für unsere Ernährung.  In der vergangenen  Woche haben wir gelernt und geschrieben, welche Getreidesorten es gibt und wozu sie verwendet werden. Getreide wird in Europa schon einige Tausend Jahre angebaut, gemahlen, gebacken und gegessen. Recht neu in Deutschland ist eine Getreideart, die unseren herkömmlichen Sorten eigentlich gar nicht ähnelt. Es ist der Mais. Seine Heimat ist das tropische Amerika, also die tropischen Zonen von Mittel- und Südamerika.

Kluge Leute kombinieren jetzt ganz schnell, dass der Mais wegen seiner amerikanischen Herkunft höchstens 500 Jahre in Europa bekannt ist. Weil der importierte (eingeführte) Mais lange Zeit nur in den südeuropäischen Ländern angebaut werden konnte, kennen wir ihn hier auch noch als 'türkischen Weizen' , Welschkorn oder Kukuruz. Im letzten Jahrhundert sind aber auch Sorten gezüchtet worden, die in unseren kühleren Breiten gedeihen. Mais wird auf vielerlei Weise genutzt.

Die grüne Pflanze mit den nicht gereiften Kolben und Körnern wird im Herbst   gehächselt und zu Viehfutter siliert. Der gehächselte Mais siliert unter Abschluss von Luft im Silo zur Maissilage. Dort, wo es warm genug ist, dass die Maiskörner reifen können, wird der Mais gedroschen. Die Maiskörner werden als Tierfutter verwendet. Man mahlt aber auch Maismehl aus den Körnern oder lässt sie in der Pfanne zu Popcorn aufspringen. Wenn die Maiskolben und die Körner noch klein und zart sind, werden sie gerne als Salat oder Gemüse gegessen.

Ebenfalls über den Atlantik ist die Kartoffel zu uns gekommen. Biologisch gesehen ist sie ein Nachtschattengewächs. Verwunderlich ist, dass ihre unterirdischen Knollen essbar sind, während die oberirdischen Beeren giftig sind. Die Kartoffel wurde zur besten Verbündeten der Menschen im Kampf gegen Hunger und Not. Aus Kartoffeln kann man die leckersten Sachen machen: Salzkartoffeln, Kartoffelpüree, Bratkartoffeln, Chips und Pommes frites. Selbst Schnaps kann man aus der stärkehaltigen Knolle brennen.

Nudeln werden aus Getreidemehl hergestellt. Bevorzugt verwendet man Weizenmehl, man kann aber auch Mehl anderer Getreidesorten oder auch Vollkornmehl verwenden. Abgesehen von Spagetti ( ja, die schreibt man heute ohne h ) und Makkaroni hatte ich als Kind besondere Freude an Buchstabennudeln. Ich bat meine Großmutter immer wenn es Nudelsuppe gab, mir eine Hand voll Buchstabennudeln zu geben, weil ich damit alle denkbaren Wörter schreiben konnte. Nudeln gibt es in den interessantesten Formen. Man kann sie sogar passend zur Jahreszeit kaufen. Osterhasennudeln  zu Ostern, Weihnachtssternchen und kleine Nudel-Nikoläuse in der Winterzeit.

Reis gehört heute in jeden Vorratsschrank. Für den Reisanbau ist es in Deutschland zu kalt. Reis wird angebaut, wo es ausreichend Wärme und dazu auch jede Menge Wasser gibt. Das ist vor allem in Südostasien der Fall. Deshalb sind China, Indien, Japan, Vietnam und Indonesien keine Kartoffelländer sondern Reisländer. In mühsamer Handarbeit errichten die Menschen dort kleine Dämme um ihre Felder herum. Dann fluten sie die Felder. Reis wächst nämlich im Wasser.

Besondere Meister im Reisanbau sind die Chinesen. Sie bauen riesige Reisterrassen in die Hänge der Berge. Eine   Reisterrasse über die andere. Die Chinesen sind nämlich darauf angewiesen, jeden Fleck ihres Landes für den Reisanbau zu nutzen, um die 1,2 Milliarden Chinesen satt zu kriegen. Seit es chinesische Restaurants in Deutschland gibt, wissen wir, welche leckere Gerichte zusammen mit Reis gekocht werden können. Wir können es aber auch einmal mit Risotto versuchen. Das ist ein italienisches Reisgericht. Besonders kostbar ist   wilder Reis. Seine Körner galten schon bei den Indianern in Amerika als Delikatesse.

Vor einiger Zeit zeigte das Fernsehen einen Bericht über eine Hirtenfamilie in der Sahara. Die Hirtenfamilie lebte in einem Zelt, das vor der sengenden Sonne und der nächtlichen Kälte der Wüste Schutz bot. Diese Familie lebte einzig und allein von einigen wenigen Ziegen und Kamelen, die die karge Landschaft ernährte. Sie lebten fast ausschließlich von der Milch ihrer Ziegen und Kamele. Fleisch gab es nur selten. Andere Lebensmittel fast nie.

Wer jetzt denkt, diese Hirten litten bittere Not, täuscht sich gewaltig. Im Gegenteil. Nur selten konnte man edlere, athletischere und gesündere Menschen sehen als in diesem Film. Sie waren groß gewachsen, bestens genährt und ihre weißen Zähne blitzten, wenn sie fröhlich lachten. Ein Zahnarzt könnte an ihnen nichts verdienen. Besser war kaum zu demonstrieren, wie wertvoll Milch als Nahrungsmittel ist.

Milch enthält fast alles, was ein Mensch zum Leben braucht.  Angefangen vom lebenswichtigen Eiweiß bis hin zu den Mineralstoffen, die wir für den Aufbau unseres Skeletts und der Zähne brauchen. Bester Beleg dafür ist die Muttermilch. Babies, die mit Muttermilch ernährt werden, brauchen lange Zeit keine zusätzliche Nahrung. Sie sind gesünder als anders ernährte Babies, bleiben meist ihr Leben lang schlank, haben festere Zähne und sind besonders gut gegen Krankheiten gefeit.

19. Woche    -   Milch,  Butter und Käse

Milch ist nicht so einfach austauschbar. Man kann Babies nicht einfach mit Kuhmilch ernähren oder Hunde mit Katzenmilch. Jedes kleine Säugetier - auch der   kleine Mensch - gedeiht am besten mit der artspezifischen Milch, also mit der Milch der eigenen Art. Mit zunehmendem Alter wird die Milch anderer Säuger besser vertragen. Wenn künstliche Baby-Milch aus Kuhmilch hergestellt wird, achtet man deshalb auch sehr genau darauf, diese möglichst genau in ihrer Zusammensetzung der Muttermilch   nachzuahmen.

Weil das früher technisch noch nicht möglich war, hat man Kinder oft von Ammen stillen lassen. Ihr kennt sicherlich das Wort Hebamme. Eine Amme war eine Frau, die selbst ein kleines Kind hatte, aber mehr Milch produzierte,  als ihr eigenes Kind trinken konnte. Solchen Ammen verdankten früher viele Kinder ihr Leben, wenn ihre leiblichen Mütter - aus welchen Gründen auch immer - sie nicht ausreichend mit Milch versorgen konnten.

Im Laufe der Jahrtausende haben die Menschen erkannt, welch wertvolles Nahrungsmittel Milch ist. Weil die Milch ihrer eigenen Art nicht ausreicht, den Bedarf zu"stillen", nutzen wir vor allem die Milch von Kühen für unsere Ernährung. Kühe geben viel Milch. Ihre Milch kommt der Milch der Menschen recht nahe. Sie ist deshalb besonders verträglich. Wie sie gewonnen und verarbeitet wird und was alles daraus hergestellt wird,  sehen wir in den Diktaten der nächsten Woche.

Wahrscheinlich ist die Herstellung von Butter zufällig erfunden worden. Wenn man frisch gemolkene Milch lange genug in einem Gefäß stehen lässt, sammeln sich die winzigen in der Milch enthaltenen Fettkügelchen an der Oberfläche. Ihr kennt ja den Ausdruck: Fett schwimmt oben. Dieser Ausdruck trifft auch hier zu. Für die Butterherstellung wird diese Fettschicht abgeschöpft.  So entsteht aus fetthaltiger Vollmilch fettarme Magermilch.

Das abgeschöpfte Fett der Milch wird in einer Zentrifuge durch Schleudern von der restlichen anhaftenden Milch getrennt. Der gewonnene Rahm wird in einem Gefäß gesammelt. Um ein Kilogramm Butter herzustellen, braucht man  etwa 25 Liter Kuhmilch. Hat  man schließlich genug abgeschöpften Rahm zusammen, kann man daraus in einem Butterfass  Butter schlagen.

Die gewonnene Buttermasse wird geknetet und geformt. Zur Geschmacksverbesserung kann man ihr Salz, Gewürze und Kräuter beimischen. Meine Großmutter füllte die frisch geschlagene Butter noch in kleine Töpfe aus Steingut ab. Um sie möglichst lange frisch zu halten, wurden die Buttertöpfchen im Keller oder im kühlen Wasserbad aufbewahrt. Kühlschränke kannte man zu ihrer Zeit noch nicht.

Heute wird Butter fast ausschließlich in großen Molkereien hergestellt. Sie wird auch nur ausnahmsweise noch in dekorativen Töpfchen angeboten. Meist wird Butter in Pergamentpapier oder in Folie verpackt. Ein Butterpäckchen wiegt in aller Regel 250 Gramm, das ist ein halbes Pfund oder ein Viertelkilogramm. Für Gaststätten und Hotels werden kleinere Butterpäckchen konfektioniert (= abgewogen und verpackt).

Ein anderes Milchprodukt ist Käse.  Käse hat einen hohen Nährwert und ist meist gut verdaulich.  Je nach Sorte wird Käse aus Vollmilch, Rahm, Magermilch oder Buttermilch hergestellt. Dabei werden diese Ausgangsstoffe durch Zusatz von Fermenten (Lab) und Milchsäuerebakterien zum Gerinnen gebracht. Die geronnene Masse nennt man Bruch.  Dieser Bruch besteht aus Eiweiß (Casein), Fett, Kohlenhydraten, Salzen und Vitaminen. Die verbleibende Flüssigkeit, die Molke, wird abgegossen und unter anderem Viehfütterung verwendet.

Der feste Bruch wird in Formen gefüllt. Dort reift er unter der Einwirkung verschiedener Bakterien. Nach erfolgter Reifung kann der Käse verkauft werden. Je nach verbliebenem Wassergehalt unterscheiden wir Hartkäse oder Weichkäse. Käse gibt es in unzähligen Varianten. Die bekanntesten Käseländer sind Frankreich mit seinem Camembert, die Schweiz mit dem löchrigen Schweizer Käse und die Niederlande mit dem schmackhaften Holländer Käse.   

20. Woche   -   Obst und Gemüse

Erstmals wurde Obst im Alten Testament erwähnt. In der Schöpfungsgeschichte pflückte Eva ihrem Adam trotz ausdrücklichen Verbotes einen Apfel vom Baume der Erkenntnis. Die Folgen waren gravierend (schwer wiegend). Beide wurden aus dem Paradies verwiesen und mussten fortan selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen.  Solange die Menschen nur die tropischen Regionen besiedelten, war dies recht einfach. Die Natur bot ihnen neben allerlei kleinem und großem Getier auch eine Vielzahl essbarer Pflanzen und Früchte.

Schwieriger wurde es da schon, als die Menschen weiter nach Norden zogen und dort siedelten. Zum einen gab es hier nur eine weniger reichhaltige Pflanzenwelt, zum anderen ist im Norden die Zeit,  in der Pflanzen und Früchte wachsen und reifen können auch viel kürzer.    Während in Afrika Bäume und Sträucher über das ganze Jahr Früchte tragen,   steht im Norden dafür nur ein kurzer Sommer zur Verfügung. Deshalb war die Ernährung in den nördlichen Ländern bis hinein in das letzte Jahrhundert vor allem im Winter sehr einseitig und wenig abwechslungsreich.

Ich wurde in der armen Zeit direkt nach dem zweiten Weltkrieg geboren.  Kopfsalat und Endiviensalat gab es nur über wenige Wochen im Sommer, Feldsalat stachen Vater und Großvater an Weg- und Feldrändern.  Weil auch die anderen Gartenfrüchte frisch nur für die kurze Zeit der Reife verfügbar waren, kochte man Erbsen und Bohnen in Gläsern und Dosen für den Winter ein. Gurken wurden in Essig eingelegt. Weißkraut wurde zu feinen Streifchen gehobelt und zusammen mit konservierendem Salz in Steinguttöpfen zu Sauerkraut gestampft.

Weißkohl und Rotkohl wurden aber auch als ganze Köpfe im dunklen und kühlen Keller aufgewahrt. Dort lagerten sie neben den eingewinterten Kartoffeln. Auch die Sommermöhren wurden eingewintert. Sie kamen in eine flache Kiste und wurden dort mit Sand überdeckt, um zu verhindern, dass sie austrockneten. Weil vielfach die vorhandenen Keller für die Lagerung der Wintervorräte nicht ausreichten, bauten die Menschen noch zusätzlich Keller außerhalb ihrer Häuser. Insbesondere die Bauern, die ihre Produkte auf dem Markt verkaufen wollten, brauchten solche zusätzlichen Lagerkeller.

Zum Frühjahr wurden die Nahrungsmittel knapp. Dazu wurde ihre Qualität immer schlechter. Die Kartoffeln begannen zu keimen, die Äpfel schrumpelten und faulten. Das war die Zeit, in der das eingekochte Gemüse und Obst auf den Tisch kam. Mancherorts spricht man auch von eingewecktem Obst. Hier handelte es sich nicht um Obst, das den Winter verschlafen hatte, sondern um Obst, das in den besonders praktischen Einkochgläsern der Firma Weck eingeweckt war.

 Heute müssen wir uns keine Sorgen mehr um die Wintervorräte machen. Obst und Gemüse gibt es in jedem Supermarkt. Und nicht nur Obst aus deutschem Anbau. Wer aufmerksam an den Obst- und Gemüseregalen der Supermärkte entlang geht, kann eine richtige Weltreise machen. Da gibt es frische Kartoffeln aus   Ägypten, Kiwi aus Neuseeland, Spargel aus Griechenland, Kräuter aus Frankreich, Apfelsinen aus Israel, Äpfel und Birnen aus Holland, Bananen aus Südamerika und Chili aus Mexiko.

Möglich geworden ist dies durch das weltweite moderne Verkehrsnetz. Während wir zu Bett gehen, rollen zahllose Trucks zu den Großmärkten unserer Städte. Mitten in der Nacht landen Großraumjets mit Bananen aus Amerika, Erdbeeren aus Südafrika auf unseren Flughäfen.  Stunden später wird die Ware in den Großmärkten angeboten. Schon im ersten Morgengrauen hat unser "Türke" dort sein  frisches Obst und Gemüse eingekauft, um es rechtzeitig zur täglichen Einkaufszeit in seinem Laden anbieten zu können.  

Möglich geworden ist dies aber auch durch die moderne Kühl- und Lagertechnik. Wer die riesigen Apfelplantagen in Holland oder Dänemark gesehen hat, kann sich vorstellen, dass diese Äpfel nicht alle im Sommer verzehrt werden können. Sie müssen eingelagert werden. Damit sie aber auch im Frühjahr noch frisch sind, werden sie kühl und unter Luftabschluss gelagert. Vielfach geht man noch einen Schritt weiter und lagert die Früchte in Räumen, die mit Stickstoff gefüllt sind. So kann man zuverlässig verhindern, dass die Früchte austrocknen und schrumplig werden.

21. Woche   -   Mineralwasser und Saft

Es ist schon erstaunlich, wie sehr die Sprache der Römer unsere Sprache beeinflusst hat. Auch das Wort Mineralwasser hat seinen Ursprung in der lateinischen Sprache. Im lateinischen Wörterbuch findet man man das Wort "minera". Es steht für Erzgang, Erzader. Mineralwasser ist demnach Wasser, das durch einen Erzgang fließt, bzw. (beziehungsweise) geflossen ist.   Aus diesem Grund ist eigentlich alles Wasser, das in meiner Taunus-Heimat aus den Tiefen der Erde gepumpt wird Mineralwasser.

Zum besseren Verständnis rufen wir uns noch einmal das Bild vom Kreislauf des Wassers in Erinnerung.   Wir wissen, dass über dem Land und vor allem über den großen Ozeanen ungeheure Wassermengen von der Sonnenwärme verdunstet werden. Der feine Wasserdunst steigt auf, bildet Wolken, die dann vom Wind über das Land getrieben werden, wo sie sich schließlich ausregnen. Ein Teil der zahllosen Wassertröpfchen fließt direkt über Bäche, Flüsse und Ströme ins Meer zurück, wo für sie der Kreislauf des Wassers neu beginnt.

Andere Tröpfchen sickern in den Boden ein. Dabei nehmen sie kleinste Bestandteile des Bodens und des Gesteins auf, durch das sie sickern.   Nicht ohne Grund wirbt einer der bekanntesten Mineralwasserhersteller Deutschlands mit dem Slogan (Spruch): Gutes Wasser muss durch einen tiefen Stein!  Auf dem Weg durch den "tiefen Stein" wird aus einfachem Regenwasser Mineralwasser. Die Reise der Tröpfchen in die Tiefen der Erde ist nicht unbegrenzt.   Stoßen die Tröpfchen tief in der Erde auf eine wasserundurchlässige Schicht, bilden sich dort Grundwasserseen. Deren überlaufendes   Wasser strömt in Wasseradern durch den Untergrund. Hie und da gelingt es einer Wasserader, den Weg ans Tageslicht zu finden. Eine Quelle entsteht. Ist das Wasser der Quelle dann noch reich an Mineralien, so sprechen wir von einer Mineralquelle, einer Heilquelle.

Über die Beobachtung der Tiere sind die Menschen schon früh auf die Wirkung von Mineralwasser aufmerksam geworden. Tiere spüren sehr genau, was ihnen fehlt. So suchen sie ganz gezielt Plätze auf, an denen Wasser und Nahrung die Mineralstoffe enthalten, die ihr Körper besonders benötigt.  Über ihre Herdentiere haben die Menschen die Heilwirkung bestimmter Quellen entdeckt. Schnell sprach sich die heilende Wirkung einzelner Quellen herum. Schon bald entstanden rund um diese Mineralquellen kleine Siedlungen.   An einer der bekanntesten Heilquellen, dem Kochbrunnen,  errichteten die Römer schon vor über 2000 Jahren ein Heilbad: Wiesbaden.

Weil immer mehr Menschen mineralhaltiges Wasser trinken wollten, bohrt man heute die Grundwasserseen in der Nähe der Mineralquellen an. Über lange Rohre pumpt man das  mineralhaltige Wasser an die Erdoberfläche und füllt es in Flaschen ab. In sorgfältigen chemischen Analysen (Untersuchungen auf die  Bestandteile) ermitteln Chemiker den    Mineralgehalt des Wassers. In der Folge ist es sogar möglich, dem Wasser einzelne Stoffe zu entziehen und andere enthaltene Mineralien anzureichern. Je nach Wunsch und Verträglichkeit, können wir uns heute mit stillem oder mit sprudelndem Mineralwasser erfrischen.

Zum Thema Saft:

Zu meiner Kinderzeit konnte man Säfte nur gelegentlich für teures Geld in Apotheken kaufen. Saft wurde zu dieser Zeit fast ausschließlich zu Hause hergestellt. Dazu wurden die Früchte zerkleinert und in  fusselarme Tücher gepackt. In kleinen Fruchtpressen wurde dann der Saft bis auf den letzten Tropfen aus dem Fruchtfleisch gepresst. Besonders gut schmeckte der frische Saft. Weil der aber nur kurze Zeit haltbar war, erhitzte und entkeimte meine Großmutter den frischen Saft und füllte ihn dann in Flaschen ab, die zu dieser Zeit noch mit einem Gummistopfen verschlossen wurden.

Nach diesem Prinzip wird der Saft auch noch heute gewonnen. Auch in Fabriken. In unserer Gemeinde gibt es einen bekannten Hersteller von Apfelsaft. Jedes Jahr im Herbst   werden hier viele Tonnen Äpfel angeliefert. Für die Gewinnung von Apfelsaft werden die Äpfel gründlich gewaschen und dann zerkleinert. Aus der zerkleinerten Fruchtmasse wird dann der Apfelsaft gepresst. Der frische Most ist nicht lange haltbar. Er gärt schon nach wenigen Tagen. Deshalb muss er durch Erhitzen sterilisiert (entkeimt) werden.

Weil nicht jeder Fruchtsafthersteller aller Saftsorten selbst herstellen kann, arbeiten die Hersteller zusammen. Der eine stellt den Apfelsaft her, der andere den Traubensaft. Zur einfacheren Verarbeitung wird dazu der Saft oder Saftextrakte* in großen Tankwagen ausgetauscht. Nur so ist es möglich, dass ein Safthersteller viele verschiedene Obstsäfte unter eigener Marke mit eigenem Etikett anbieten kann.

Extrakt = Auszug.   Zur Herstellung von Extrakten wird ein großer Teil des enthaltenen Wassers verdampft. Das erspart Transportkosten. Beim Abfüllbetrieb wird dann wieder Wasser zugesetzt. Logisch, dass dazu nur bestes Trinkwasser verwendet werden darf.

22. Woche    -    Schokolade, Marzipan und Kaugummi

Ohne die Beharrlichkeit von Christoph Kolumbus hätten die Menschen noch lange auf Kakao und Schokolade verzichten müssen. Der Kakaobaum ist eine südamerikanische Pflanze. Schon die Azteken schätzten und kultivierten (anbauen, veredeln ) diesen Baum. Die Azteken verwendeten die Kakaobohnen als Nahrungsmittel und auch als Zahlungsmittel.

Die melonenähnlichen Früchte des Kakaobaums enthalten 30 bis 60 bitter schmeckende Samen, die Kakaobohnen. Die Kakaobohnen werden getrocknet, geröstet, geschält und dann zerrieben.  Das gemahlene Kakaopulver wird mit Zucker und Gewürzen zu Schokolade geschmolzen. Die flüssige Schokoladenmasse kann dann in alle möglichen Formen gefüllt werden: In rechteckige oder quadratische Schokoladentafeln, in  Schokoladenhasen oder Schokoladen-Nikoläuse.

Marzipan hat seinen Ursprung in Arabien. Dort wurde diese Köstlichkeit aus geriebenen Mandeln, Puderzucker und Rosenwasser entdeckt. Marzipan kann man leicht selbst herstellen. Dazu muss man Mandeln abziehen (häuten), fein mahlen, mit Puderzucker und Rosenwasser mischen  und im Topf auf dem Herd so lange rühren, bis sich die Marzipanmasse vom Boden löst. Dann kann man sie zu allen nur denkbaren Figuren formen. Wer will, kann den Maikäfer aus Marzipan noch mit geschmolzener Schokolade überziehen.

Wenn wir uns eine Lakritzstange schmecken lassen, denken wir nicht daran, dass Lakritze auch ein geschätztes Heilmittel ist. Lakritze wird aus dem eingedickten Saft von Süßholz gewonnen.  Wahrscheinlich ist dabei auch das geflügelte Wort "Süßholz raspeln" erfunden worden. Der Süßholzsaft wird auch als Heilmittel gegen Husten und Bronchitis und gegen Magen- und Darmgeschwüre eingesetzt. Mit diesem Wissen habt ihr gute Argumente, wenn euch jemand Lakritze verbieten will.

Kaumgummikauen macht klug. Die Kaubewegung beim Kauguimmikauen regt die Gehirntätigkeit an. Das haben Wissenschaftler bei Untersuchungen herausgefunden. Daran haben die Entdecker des Kaugummis wohl kaum gedacht, als sie aus lauter Langeweile auf dem eingedickten Milchsaft des Chicle-Baumes herumkauten.  Wegen seiner Herkunft heißt Kaugumi gelegentlich auch noch Chicle-Gum. Den faden Geschmack des Chicle-Gums bessern wir heute mit Pfefferminzöl, Vanillin und anderen Gewürzen auf. 

23. Woche   -   Beim Förster im Wald

Fragt man Kinder, was sie sich unter einem Förster vorstellen, entsteht das Bild des Försters, wie wir ihn von alten Bildern und Zeichnungen kennen. Förster tragen grüne Uniformen, breitkrempige Hüte mit Tierhaaren, hohe Stiefel und auf dem Rücken ein Gewehr. Meist haben sie einen langen Bart und rauchen Pfeife. Zusammen mit seinem Dackel streift der Förster durch den Wald, beobachtet und schießt auch dann und wann einmal ein Tier.

Die verbreiteten Vorstellungen stimmen mit dem Berufsbild des Försters nicht mehr überein. Förster kommt von dem Wort Forst. Forst ist ein bewirtschafteter Wald, also kein Urwald. Im Forst pflanzen und ernten die Menschen Holz. Holz zum Bauen, Holz zum Heizen und Holz als Grundstoff für Chemie und die Papierherstellung. Chef aller Förster ist der Minister für Landwirtschaft und Forsten. Er legt fest, was Förster können müssen und was sie zu tun haben.

Weil der Minister diese Aufgaben nicht alle selbst erledigen kann, beauftragt er damit den Landesforstdirektor. Aber auch der kann nicht überall sein. Deshalb gibt ist überall dort, wo es Wald gibt Forstämter. Das Forstamt ist die Dienststelle der Förster. Die Chefs der einzelnen Forstämter weisen jedem Förster ein Revier zu. Das Revier eines Försters umfasst etwa 1000 Hektar ( 1 ha = 100m x 100m) Wald. Das sind etwa 10 Quadratkilometer. Für diese Waldfläche ist der Förster zuständig und verantwortlich.

An dieser Stelle muss ich mich korrigieren. Auch bei den Förstern hat die Gleichberechtigung Einzug gehalten. Viele Forstdienststellen werden heute von Försterinnen betreut. Die Aufgaben von Förster und Försterin sind aber gleich. Sie sorgen dafür, dass Bäume und Wald wachsen können, sie suchen und markieren die Bäume, die reif für den Einschlag sind und sie sorgen dafür, dass mindestens so viel Wald nachgepflanzt wird, wie eingeschlagen wird.

Das war noch vor   200 Jahren ganz anders. Damals betrieben die Menschen Raubbau am Wald. Sie rodeten ganze Wälder, um Brennholz  und Holz für die Gewinnung von Holzkohle zu gewinnen. Weil immer mehr Wald den Sägen und Äxten der Menschen zum Opfer fiel, erließen die damaligen Landesherren strenge Gesetze zum Schutz und Wiederaufbau der Wälder. Um die Einhaltung der Forstgesetze zu sichern, stellten sie Förster ein. Förster haben aus dieser Zeit auch die Aufgabe einer Waldpolizei. 

Begleiten wir doch einmal einen Förster hinaus in den Wald. Anstelle  (Man kann auch schreiben:   An Stelle ) von Fernglas und Gewehr hängt der Förster heute seinen Laptop um. Im Wald angekommen gibt er dort die Baumarten seines Reviers, die Anzahl und die Größe der Bäume ein. Mit Farbspray markiert er die Bäume, die gefällt werden sollen. Dann sucht der die Forstarbeiter (Forstwirte) auf, und spricht mit ihnen ab, wann die Bäume gefällt werden.

Der Förster muss aber auch dafür sorgen, dass dort, wo Bäume gefällt werden, keine Lücken entstehen. Deshalb bestellt er zum Frühjahr oder Herbst in der Forstbaumschule Setzlinge, mit denen die Kulturen  aufgeforstet werden. Noch besser und preiswerter is es jedoch, die Natur als Helfer bei der Aufforstung einzuspannen. Deshalb sorgen die Förster heute dafür, dass genügend Samen tragende Bäume erhalten bleiben. Deren Samen ermöglichen die natürliche Verjüngung der Wälder.

24. Woche   -   Tiere des Waldes

Bei der natürlichen Verjüngung des Waldes gerät der Förster immer wieder in Konflikt mit einigen Tierarten, die im Wald leben. Insbesondere Hirsche und Rehe machen vielfach die Arbeit des Försters zunichte. Sie äsen  - in der Jägersprache heißt fressen äsen - bevorzugt die Spitzen junger aufwachsender Bäumchen. Dort, wo viel Wild im Wald steht, sehen die jungen und Eichen aus wie kleine Bonsai-Bäumchen.  (Bonsai-Bäumchen sind durch Schnitt künstlich klein gehaltene Bäumchen. Die Japaner sind Meister im "Kleinhalten" von Bäumchen.)

Zum Schutz der kleinen Bäumchen greifen Förster und Jäger zum Gewehr. Mit Pulver und Blei reduzieren sie den Wildbestand im Wald. Sie schießen dann so viele Hirsche und Rehe, bis Wild und Wald wieder im Gleichgewicht stehen. Das Gleichgewicht von Wild und Wald ist dann erreicht, wenn ausreichend junge Bäume nachwachsen können, ohne durch Wildverbiss geschädigt zu werden.

Niemand muss nun fürchten, dass die Wildtiere ausgerottet werden. Ihr Bestand wird nur verringert, wird den Bedürfnissen des Waldes angepasst. Es werden nur so viele Tiere geschossen, wie jährlich nachgeboren werden. Im Urwald regelt das die Natur. In unserer Kulturlandschaft geben wir den natürlichen Feinden des Wildes keinen Lebensraum. Deshalb übernehmen Förster und Jäger deren Aufgabe und passen die Wildbestände dem jeweiligen Lebensraum an.

Neben Hirschen und Rehen leben im Wald auch Wildschweine, Hasen, Füchse und Dachse. Abgesehen vom Rehwild leben die anderen Wildarten sehr heimlich. Man bekommt sie nur zufällig zu Gesicht. An Spuren und Fährten kann man aber ablesen, wer sich so alles im Wald herumtreibt. Insbesondere die scheuen Schwarzkittel hinterlassen überall im Wald ihre Zeichen. Der Förster freut sich über ihre Anwesenheit.

Mit ihren kräftigen Rüsseln graben die Wildschweine nach schädlichen Insektenlarven und bereiten dabei gleichzeitig das Saatbett für Eicheln und Bucheckern. Von Bauern sind die Schwarzkittel nicht gern gesehen, richten sie doch im Feld immense Schäden an. Gerät eine Rotte Wildschweine in einen Mais- oder Weizenacker, lassen sie oft nur noch Halme und Stängel zurück.

Förster und Jäger unterscheiden Wild in Hochwild und Niederwild, in Haarwild und Federwild. Schalenwild hinterlässt Fährten. Hase, Fuchs, Dachs, Wiesel, Marder´und  andere Pfotentiere hinterlassen Spuren. Wild darf nicht einfach gejagt werden. Im Jagdgesetz ist geregelt, welche Tiere gejagt werden dürfen und zu welcher Jahreszeit sie gejagt werden dürfen. Die Zeit, in der Tiere nicht gejagt werden dürfen, heißt Schonzeit. Das Jagdgesetz bestimmt auch, dass die Tiere des Waldes nur von besonders ausgebildetenPersonen - das sind Förster und Jäger - gejagt werden dürfen.  Wer ohne Ausbildung und Lizenz (Lizenz = Erlaubnisschein = Jagdschein) jagt, wird als Wilderer angesehen und bestraft.

25. Woche   -   Tiere am Wasser, auf dem Wasser, im Wasser

Wasser wirkt auf Tiere wie ein Magnet auf Eisen. Am deutlichsten zeigt sich das in Afrika. Dort versammeln sich in der Trockenzeit die Tiere der ganzen Gegend um die einzige verbliebene Wasserstelle. Das ist hier bei uns in Deutschland anders. Tiere gehen nur selten zum Bach oder zum Fluss, um dort zu trinken. Meist reicht ihnen die Flüssigkeit, die sie beim Äsen aufnehmen. Deshalb finden wir an Bächen, Flüssen, an Seen, Teichen und Tümpeln nur die Tiere, die hier ihren Wohnort haben.

Doch schauen wir einfach einmal näher hin. Mein Heimatdorf ist nach einem kleinen Flüsschen benannt. Die Weil fließt vom Feldberg im Taunus nach Norden zur Lahn hin. Ihre Ufer sind von Erlen und Weiden und allerlei Kräutern gesäumt. Seit der Einrichtung von Kläranlagen ist die Weil ein sauberes Flüsschen. So sauber, dass in einem groß angelegten Projekt an mehreren Stellen der Weil junge Lachse ausgesetzt wurden. 

Forellen gab es hier schon immer, auch die verschiedenen Weißfische. Karpfen bevorzugen stehende oder langsam fließende tiefere Gewässer mit schlammigem Grund. Sie kommen nur im Unterlauf der Weil vor, dort, wo sie in die Lahn mündet.  Fröschen und Kröten begegnet man auf Schritt und Tritt. Ihr Leben ist jedoch  gefährlich. Übrall lauern Feinde. Im Wasser stellen ihnen Forellen und Lachse nach, am Ufer werden sie Beute von Ringelnatter und Fuchs.

Frösche dürfen keinen einzigen Moment unaufmerksam sein. Die kleinste   Unaufmerksamkeit kann sie ihr Leben kosten.  Auf hohen staksigen Beinen lauert der Reiher im Niedrigwasser. Schon bei der kleinsten Bewegung sticht sein spitzer Schnabel ins Wasser und packt den vorwitzigen Frosch. Hat der Reiher seine Beute erst einmal gepackt, gibt es nur selten ein Entrinnen.

Da ist das Leben für die Enten schon viel angenehmer. Sie haben kaum Feinde. Die Farbe ihres Gefieders macht sie fast unsichtbar.  An die Menschen haben sich die Enten vielfach gewöhnt. Nur wenn man ihnen allzu dicht auf die Pelle rückt, schlagen sie mit den Flügeln und brausen davon. Wer ein wenig Geduld hat, kann beobachten, wie sie nur wenige Minuten später wieder auf der Weil einfallen.

26. Woche   -   Große und kleine Haustiere

Haustiere sind die Tiere, die im Gegensatz zu den Tieren im Stall und den Tieren in Wald und Feld das Vorrecht genießen, mit ihren Frauchen und Herrchen zusammen im Haus leben zu dürfen. Dank dieser Vorrangstellung müssen sich Haustiere keine Gedanken um ihr Futter und kaum Gedanken um ihre Sicherheit machen. Auch für die Gesundheit der Haustiere ist bestens gesorgt. Wenn sie einmal erkranken, sorgt der Tierarzt dafür, dass sie bald wieder gesund werden. Für das alles sorgen ihre zweibeinigen Mitbewohner.

Dennoch ist Haustier nicht gleich Haustier. Nur wenige Haustiere sind echte Haustiere. Echte Haustiere sind Tiere, die freiwillig und ohne eingesperrt und angebunden zu sein mit den Menschen leben. Hielte man einen Hamster nicht im Käfig, würde er bei nächsbester Gelegenheit verschwinden. Das gilt auch für die Vögel, die wir im Haus haltenEigentlich haben sich nur die Hunde für ein Leben zusammen mit den Menschen entschieden.

Hunde sind Rudeltiere. Das haben sie von den Wölfen geerbt. Wölfe leben in Familienrudeln, in denen jedes Mitglied eine klare Aufgabe und eine klare Position hat. Dank dieses Erbes fügten sich gefangene Jungwölfe in der Steinzeit in den Familienverbund der Steinzeithorden ein. Wichtig war dabei, dass die Prägung auf den Menschen so früh wie möglich nach der Geburt erfolgte. Diese alte Weisheit befolgen die Hundezüchter noch heute. Sie geben ihre jungen Hunde noch vor der Prägungsphase an die neuen Besitzer ab.

Der bekannte Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat die Richtigkeit dieser Erkenntnis auch bei anderen Tieren nachgewiesen. Gänse, die im Brutkasten ausgebrütet wurden, sehen die Lebewesen als Eltern an, die sie auf den ersten Schritten ins Leben begleiten. Theoretisch könnte man Gänse sogar auf Roboter prägen. Seine Gänsekinder begleiteten Lorenz auf all seinen Wegen. Vor wenigen Monaten kam ein Film ins Kino, in dem junge Gänse dem Leichtflugzeug ihre menschlichen Pflegeeltern auf dem Flug nach Süden in die Überwinterungsgebiete folgten. 

Trotz aller Anhänglichkeiten hat noch kein anderes Tier den Anpassungsgrad der Hunde erreicht. Nur Hunde setzen alles daran, stets in der Gesellschaft ihres Rudels zu leben. Alle anderen Tiere, das gilt auch für die Katzen, leben allenfalls in lockerer Bindung mit den Menschen. Wenn Schweine nicht solche Schweine wären, hätten sie durchaus das Zeug zu guten Haustieren. Schweine sind kluge Tiere und leben in Rotten mit festen Familienstrukturen.

Neben den traditionellen Haustieren werden heute in Deutschland Tiere aus aller Welt als Haustiere gehalten. Aber fragt euch doch einmal selbst: Ist es nicht Tierquälerei, ein kleines Nilkrokodil in einer Badewanne zu halten. eine Schlange im Terrarium, einen Fisch im kleinen Aquarium ? Da lobe ich mir schon die Bewohner im hessischen Schlangenbad. Seit der Römerzeit leben dort die Äskulap*-Schlangen als Haustiere. Allerdings nicht gefangen im Haus, sondern frei um das Haus herum.

* Äskulap war der Gott der Heilkünste. Aus diesem Grund führen Ärzte und Apotheker noch heute die Äskulapschlange als Standeszeichen.

Diktate 3. Quartal
Die Reihenfolge der Texte kann den jeweiligen Vorstellungen und Erfordernissen angepasst werden.
Um besser schreiben zu lernen, ist es auch nicht unbedingt erforderlich, alle Texte durchzuarbeiten.
Auch mit der Übung eines Teils der Texte stellen sich schon Verbesserungen ein.

27. Woche   -   Wolle, Stoff, Pullover, Kleider

Adam und Eva sorgten sich nicht um Kleider. Sie lebten nackt im Paradies. Deshalb spricht man heute immer dann von paradiesischen Zuständen, wenn Menschen sich wenig oder überhaupt nicht um ihr Essen und um ihre Kleidung sorgen müssen. Paradiesisch leben kann man nur dort, wo es über das ganze Jahr warm ist und wo die Nahrung von alleine wächst.

Das merkten die Nachfahren von Adam und Eva schnell, als sie sich auf den Weg nach Norden machten. Je weiter sie nach Norden kamen, desto kühler wurde es.  Die Kälte zwang die Menschen, sich kleiden zu lernen. Sie schauten es den Tieren ab. Sie dachten: "Wenn das dicke Fell einen Bären wärmt, dann wird es mich auch vor Kälte schützen."

So machten sie sich auf die Jagd und zogen manchem Bären das Fell ab und hängten es sich über die Schultern. Gegen kalte Füße halfen Bärenfellschuhe. So geschützt eroberten die Menschen immer neue Lebensräume. Noch heute ist Wildleder beliebt für die Herstellung von Jacken und Hosen.

Nachdem die Menschen gelernt hatten, Tiere zu zähmen und zu züchten, nutzten sie auch deren Fell für die Herstellung von Bekleidungsstücken. Besonders geeignet war das Fell der Schafe.   Seine dicke Wolle wärmte auch bei argem Frost. Auch hier brachte wahrscheinlich ein Zufall die Menschen ein Stück voran.

Vielleicht zupfte in einer langen eisigen Winternacht ein Kind gelangweilt an seinem Schaffell herum, löste ein wenig Wolle vom Fell  und drehte die Wolle zu einem kleinen Faden. Darüber wurde die Mutter aufmerksam und wickelte ihrerseits ein Stück Wolle zu einem Faden. Vielleicht hat der Vater zugeschaut, sich am Kopf gekratzt und gesagt: "Wenn wir ganz viele Fäden kreuz und quer verbinden, können wir aus den Wollfäden ein Stück Stoff machen."

Er ist  ist hinaus in die Kälte gegangen, hat vier Hölzer geholt und daraus einen Rahmen hergestellt.   In den Rahmen haben die drei dann viele Wollfäden kreuz und quer eingespannt. Nach und nach wurde aus den gespannten Fäden ein kleines Stück Stoff. Als das Tuch groß genug war, verknoteten sie die Enden der Wollfäden und lösten das Tuch vom Rahmen.

Weil das Tuch so langweilig grau war, haben sie am nächsten Tag begonnen, das Tuch mit der Farbe, die sie für ihre Höhlenmalereien verwendeten, farbig anzumalen.  Im Nu war aus einem graubraunen Tuch ein wunderschön gemustertes farbiges Tuch geworden. Um Streit zu vermeiden webten sie in den folgenden Wochen und Monaten noch viele Tücher, damit jeder der kleinen Sippe auch so ein schönes Tuch tragen konnte.

28. Woche   -   Von der Kuh zum Schuh

Wenn man eine Kuh auf der Weide sieht, denkt man zunächst einmal an Milch, an ein Steak oder an ein Stück Rinderbraten. Dass die Kuh, bzw. das Rind, der Ochse oder der Bulle eines Tages auch das Material für ein gutes Paar Schuhe liefern, kommt einem dabei selten in den Sinn. Es ist allerdings ein weiter Weg von der Kuh bis hin zum Schuh.

Wird die Kuh eines Tages geschlachtet, wird alles, was essbar ist, zu Nahrungsmitteln verarbeitet. Das Fell wird vorher abgestreift. Zusammen mit anderen Fellen wird es in die Gerberei gebracht. Hier sieht sich der Gerber die Tierhäute genau an und entscheidet dann, wie sie verarbeitet werden. Damit Felle haltbar und flexibel bleiben, werden sie gegerbt. Mit feinen Messern werden die Haare vom Leder abgetrennt.

Ausgesucht gute und wenig beschädigte Lederstücke werden zu Bezügen für Autositze, für Sessel und Sofas verwendet. Auch Lederhosen, Lederjacken und Ledermäntel werden aus Rindsleder hergestellt. Für hochwertige Kleidungsstücke bevorzugt man jedoch das feinere und edlere Leder von Ziege und Hirsch. Auch Peitschenschnüre, Hundeleinen und Schnürsenkel werden aus Rindsleder geschnitten.

Zu meiner Einschulung erhielt ich damals ein Paar neue Schuhe. Weil es zu dieser Zeit kaum Schuhe in Geschäften zu kaufen gab, nahm mich mein Vater mit zum Schuster. In den Regalen seiner Werkstatt lagen neben den Werkzeugen allerlei Lederstücke. Nachdem er meinen Fuß vermessen hatte, durfte ich zusehen, wie er einen Schuh herstellte.  Nach einer Schablone schnitt er das Schuhleder mit einem scharfen Messer zu.

Dann nähte er den Schuhschaft, fügte die Ösen für den Schuhriemen ein, nähte die Lasche an und ging dann daran, die Sohle und den Absatz zu befestigen. Weil er schlecht durch die feste Sohle und den noch dickeren Absatz nähen konnte, befestigte er Sohle und Absatz mit kleinen Nägelchen aus Holz und Eisen. Wenn die nicht richtig saßen, stachen sie ständig in die Füße. Damit sich Spitzen und Absätze nicht so schnell abnutzten, nagelte der Schuster noch kleine Schuheisen vorne und hinten auf die Schuhe.

Inzwischen hat sich viel verändert. Maßschuster gibt es immer noch. Maßschuhe sind aber kaum zu bezahlen. In der Schuhfabrik ist die Schuhherstellung automatisiert. Große Maschinen schneiden stapelweise Leder für bestimmte Schuhgrößen. Die nächste Maschine näht den Schaft. Eine dritte Maschine klebt Sohlen und Absätze auf. Das  Einfädeln der Schnürsenkel erfolgt noch mit der Hand, auch die Endkontrolle. Dann werden die Schuhe in Kartons verpackt und an die Schuhhändler verschickt.

29. Woche   -     Vom Holz zum Papier

Als die Menschheit schreiben lernte, schrieb sie zunächst auf  flache Steine und später auf kleine Tontäfelchen, die extra zum Schreiben geformt wurden. Die Menschen lernten auch, auf Holz zu schreiben, indem sie ihre Zeichen in das Holz ritzten oder einschnitten. Das Staffelholz bei Leichtathletik-Wettkämpfen ist ein Nachfahre dieser alten hölzernen Schrifttafeln. War die Nachricht auf das Holz geschrieben, trugen die Staffelläufer die Nachricht über Land.

Vor 3000 Jahren lernten die Menschen, aus dem Mark der Papyrus-Pflanze Papyrus herzustellen. In Ägypten gab es damals schon richtige Papyrus-Fabriken. Wenn ihr genau hinhört und hinseht, merkt ihr, dass unser Wort Papier von dem Wort Papyrus hergeleitet ist. Haupthandelsplatz für Papier war damals die Stadt Byblos. Jetzt wisst ihr auch, wie die Bibel zu ihrem Namen kam.  

Weil Papyrus sehr empfindlich war, suchten die Menschen nach einem haltbareren Material. So gerbten sie dünne Häute von Ziegen und Schafen zu Pergament. Das Pergament wurde vor über 2000 Jahren in der griechischen Stadt Pergamon erfunden. Nach dieser Stadt heißt das Schreibmaterial heute Pergament. Pergament konnte gerollt werden, es konnte aber auch zu Büchern gebunden werden.

Nur einige hundert Jahre nach der Erfindung des Pergaments erfanden die Chinesen das Papier. Sie stellten es aus einem Brei her, den sie aus Stoffresten gewannen. Fast 1000 Jahre gelang es ihnen, diese wichtige Erfindung geheim zu halten. Um 1200 brachten die Araber das Geheimnis der Papierherstellung nach Spanien. Vor etwa 600 Jahren stellte die erste Papiermühle in Deutschland Papier her.

Papier ist ein filziges Material aus Naturfasern. Wir verwenden heute vor allem Holzfasern für die Papierherstellung. Dazu wird das Holz gehäckselt und anschließend fein zerfasert. Die feinen Fasern  werden in Wasser eingweicht. Dann zieht man den Faserbrei auf feine Siebe und trocknet ihn dort zu Papier. Das kann man leicht im Experiment zu Hause nachvollziehen.

Inzwischen gibt es Papiersorten für alle möglichen Zwecke: Schreibpapier, Druckpapier, Toilettenpapier, Karton, Fotopapier, Krepppapiert und sogar Sicherheitspapier. Alle unsere Geldnoten werden auf Sicherheitspapier gedruckt. Damit man Geldscheine nicht so leicht fälschen kann, arbeiten die Papierhersteller Metallfäden und Wasserzeichen in die Sicherheitspapiere ein.

Weil der Papierbedarf unsere Wälder bedroht ist, sammeln wir gebrauchtes Altpapier, um es erneut zu zerfasern und zu neuem Papier oder Karton zu verarbeiten. Diesen Vorgang bezeichnen wir mit dem englischen Wort Recycling. Das heißt: Wiederverwertung. Weil Recycling-Papier aber noch die alten Druckfarben enthält, wird es mit jeder Wiederaufbereitung dunkler. Auch die Papierfasern werden schwächer und dünner. Deshalb kann man Papier nur 6 bis 7 mal recyclen.

30. Woche   -   Möbel in Wohnung und Büro

Sicherlich haben die Steinzeitmenschen schnell gemerkt, dass man auf Steinen nur dann gut und angenehm sitzt, wenn sie ausreichend warm und dazu auch körpernah geformt sind. Schließlich war das Sitzen auf einfachen kalten Steinen unkomfortabel und dazu ungesund. So halfen sie sich, indem sie Felle auf Boden und Steinen ausbreiteten oder auch Baumstämme als Sitzbank nutzten.

So ganz nebenbei ist ein cleverer Steinzeitmensch darauf gekommen, einen alten Wurzelstock so zurechtzuhauen, dass man zwischen den Wurzeln wie in Abrahams Schoß saß. Natürlich wussten die damals noch noch nichts von Abraham. Der lebte ja viel später. Der erste Stuhl war erfunden. Belegt mit einem warmen weichen Bärenfell wurde der Stuhl zum Polstersessel.

Weil die Steinzeitfrau ständig darüber klagte, dass ihr die spielenden Kinder die Krüge mit den gesammelten Nahrungsmitteln umstießen, erfand ihr Mann das erste Regal. Allerdings waren die Lebensmittel im Regal noch nicht zuverlässig gegen Nascher geschützt. Da half nur eine Klappe, mit der das Regal verschlossen wurde. Ohne es zu wissen, hatte man den Schrank erfunden.

Seit diesen Erfindungen ist viel Zeit vergangen. Wenn wir heute Möbel brauchen, haben wir zwei Möglichkeiten. Entweder gehen wir in einen Baumarkt oder zu Ikea und kaufen uns einen Bausatz für ein Möbelstück oder wir gehen in ein Möbelhaus, in dem es Möbel gibt, die gleich fertig sind und die man nicht erst mühsam verschrauben muss. Da gibt es Stühle, Tische, Sessel, Hocker, Sofas, Couch-Garnituren, Regale, Schränke, Sideboards, Betten, Nachttische ( nicht Nachtische !!!) und vieles mehr.

Die Möbel im Möbelhaus werden in der Möbelfabrik hergestellt. Ein Designer oder eine Designerin entwirft die Möbel. Der Möbeltischler stellt die ersten Muster in Originalgröße her. Die Polster von Stühlen und Sesseln werden vom Polsterer angefertigt. Schließlich lackiert der Möbeltischler die Holzteile noch. Einmal im Jahr stellt dann der Möbelfabrikant die Möbel auf der Möbelmesse vor.

Schon frühzeitig informieren die Möbelhersteller die Möbelhändler über ihre neuen Möbel und die Möbelmesse. In Scharen strömen die Möbelhändler und Möbelhändlerinnen zur Möbelmesse. Dort bestellen sie die Möbel, die sie in ihrem Möbelhaus verkaufen wollen. Dazu müssen sie den Geschmack und den Bedarf ihrer Kunden gut kennen. Ein Möbelhändler, der nur nach seinem eigenen Geschmack kauft, bleibt auf seinen Möbeln sitzen und macht Konkurs.

31. Woche   -   Einmachen und konservieren

Als Kolumbus nach Indien aufbrach, ließ er neben Brot, Früchten und Gemüse auch Heu, Getreide und lebende Tiere an Bord bringen.  Brot, Früchte und Gemüse hielten nicht lange an Bord. In den heißen und muffigen Lagerräumen schimmelten diese Lebensmittel bald oder wurden von den Schiffsratten angefressen.

Wenn dann die üblichen Lebensmittel knapp wurden, konnten wenigstens noch die mitreisenden Ziegen und Schweine geschlachtet und verspeist werden. Vor allem frisches Fleisch war auf See ein besonders wichtiges Nahrungsmittel. Mit frischem Fleisch versuchte man sich gegen die Seefahrer-Mangelkrankheit Skorbut zu schützen.

Zu Zeiten meiner Großmutter gab es noch keine Geschäfte und keine Gärtnereien, in denen man winters ( = im Winter) frisches Gemüse oder frischen Salat kaufen konnte.  Salat gab es nur im Sommer. Gemüse wurde für den Winter im kühlen Keller eingelagert oder konserviert. Es gab verschiedene Möglichkeiten, Gemüse zu konservieren.

Zunächst einmal kann man Gemüse wie Kartoffeln einfach einlagern. Im Keller soll es zwar kühl sein, niemals aber frostig. Frost zerstört die Gemüsezellen und lässt Gemüse faulen. Möhren und Rote Be(e)te bedeckte Großmutter mit feuchtem Sand. So lagen sie dunkel und trockneten nicht aus.

Auch Kohlköpfe wurden in einer dunklen Kellerecke gelagert. Weißkraut wurde auf dem Krauthobel ganz fein gehobelt und dann in großen Steinguttöpfen mit Salz eingepresst. Die Töpfe rochen grässlich. Nach einigen Wochen war aus dem Weißkraut das leckere Sauerkraut geworden. Rechtzeitig zum Schlachtfest gab es dann Sauerkraut zu den Schweinerippchen.

Beim Metzger war zu Großmutters Zeiten die Auswahl an Wurst und Fleisch sehr gering. Viele Leute schlachteten selbst. Würste und Schinken wurden in der Räucherkammer mit Rauch geräuchert. So wurden sie haltbar. Wurst und Fleisch wurden auch in Dosen oder Gläser eingekocht. Ein Teil des Fleisches wurde im Salzbad, in der Sole, konserviert. Das schmeckte zwar deftig, war aber sehr ungesund.

Seit die Menschen Fleisch einfrieren oder im Vakuum aufbewahren können, ist die Gefahr, an Magen- und Darmkrebs zu erkranken um 90% (= 90 Prozent) gesunken. Wir leben deshalb heute viel gesünder als früher.

32. Woche   -   Vom Einpacken in Papier, Tüten, Dosen, Flaschen ....

Als Kind schickte mich meine Mutter oft zur heimischen Molkerei und ins Lebensmittelgeschäft. In der linken Hand hielt ich die Milchkanne, in der rechten Hand trug ich die Einkaufstasche. Plastiktüten gab es damals noch nicht. Das Geld steckte im Portemonnaie ( Portemonnaie kommt aus der französischen Sprache und bedeutet etwa  'Trag das Geld') . So machte ich mich auf den Weg.

In der Molkerei angekommen, reichte ich die Kanne über die Ladentheke. Die Verkäuferin füllte mit dem Schöpflöffel eineinhalb (anderthalb, einen und einen halben ...) Liter Milch in die Kanne. Dann schnitt sie ein Stück Butter vom Block und packte es in Butterpapier. Butterpapier hieß so, weil es gewachst war, um zu verhindern, dass Butter durch das Papier dringt.

Auf dem Weg ins Lebensmittelgeschäft übte ich praktische Physik. Ich schleuderte die Kanne mit der Milch am ausgestreckten Arm so schnell ich konnte durch die Luft.  Wenn ich geschickt war, spritzte nicht ein Tropfen Milch aus der Kanne. Die Zentrifugalkraft presste die Milch förmlich an den Boden. Nur bei An- und Ausschwung passierte es schon einmal, dass Milch aus der Kanne schwappte.

Vom Lebensmittelhändler sollte ich Mehl und Zucker mitbringen. Die Verkäuferin nahm eine braune Tüte - so wie sie im Gefängnis geklebt wurden - und stellte sie auf die eine Seite der Waage.  Auf die andere Seite stellte sie den passenden Gewichtsstein. Mehl und Zucker wurden in Schubladen aufbewahrt.  Mit einer kleinen Schaufel füllte sie Zucker in die Tüte, bis die Waage sich einpendelte.

Ebenso füllte sie die Mehltüte. Zu Hause füllte Mutter Mehl und Zucker in kleine Schubladen, die damals in fast allen Schränken eingebaut waren. Die Tüten strich sie sorgfältig glatt, faltete sie und legte sie dann in den Brotschrank. Die Tüten mussten noch einmal ran. Am nächsten Morgen wurden sie als Frühstückstüten gebraucht. Frühstückstüten von der Folienrolle gab es damals ebenso wenig wie die schicken und praktischen Frühstücksdosen.

Getränke bekamen Kinder damals nicht mit in die Schule. Weil die Molkerei nahe war, verkaufte der Hausmeister morgens Milch und warmen Kakao. Anfangs schöpfte er die Milch und den Kakao sogar noch mit der Schöpfkelle aus Kannen in die mitgebrachten Henkel-Trinkbecher .  Später gab es dann kleine Glasflaschen mit einem Deckel aus  Alufolie und Strohhalme.   Kein Mensch konnte sich seinerzeit vorstellen, dass es einmal Milch und Saft in Tüten geben könnte.

Was vor 50 Jahren nur wenigen Träumern möglich schien, wurde bald Realität. Forscher stellten umfangreiche Versuche mit gewachsten Papier und gewachstem Karton an. Sie falteten den Karton und verschweißten/verschmolzen die Kanten und präsentierten den ersten Karton für Getränke. Das war ein riesiger Fortschritt. So ein Karton brach weniger schnell,  war leichter und hatte auch beim Transport viele  Vorteile.

Die ersten Getränkekisten waren einfache Holzkisten ohne Trennungsstege. Die Flaschen   stießen ständig aneinander und verursachten einen Höllenlärm. Um dem Lärm zu begegnen, setzten die Kastenhersteller dann Zwischenstege ein. Stege und Flaschen brauchten viel Platz. So sparte man viel Transportraum und auch Gewicht, als man Milch in rechteckige Kartons füllen konnte.

Forscher suchen ständig nach besseren Lösungen. Sie sind erfinderisch. Weil einfache rechteckige Kartons recht langweilig sind, erfanden sie auch andere Formen. Eine der bekanntesten Formen ist die Verpackung in Form einer Pyramide. Wer nun denkt, die Pyramidenform sei unpraktisch, muss sich einfach mal die Zeit nehmen, diese Tetra-Packs zu stapeln. Das Ergebnis ist verblüffend. Passgenau lassen sich die kleinen Pyramiden ohne Luftraum in Kartons verpacken.

Mit fortschreitender Technik lernten die Hersteller von Getränkekartons auch, die Innenseite der Kartons mit Kunststofffolien oder Alufolien auszukleiden. So wurden die Kartons haltbarer und geschmackssicherer. Die Herstellung der Kartons ist übrigens sehr einfach. Zunächst werden die Kartons mit Folien beschichtet. Dann wird die Außenseite mit allen wichtigen Informationen bedruckt. In einer großen Stanze wird die Faltform des Kartons ausgestanzt.

An der nächsten Station werden die ausgestanzten Kartons gefaltet, dann verklebt oder verschweißt. Ist der Füllraum nach unten und seitlich geschlossen, wird das Getränk eingefüllt. Im nächsten Arbeitsgang wird der Karton verschlossen. Zusammen mit vielen anderen Kartons wird er in große Kartons verpackt und geht dann auf die Reise. Im Supermarkt oder im Getränkemarkt warten die Trinkpäckchen dann auf durstige Kinder.

33. Woche   -   Müll und Recycling 

Leider können Getränkekartons aber nur einmal benutzt werden. Wenn sie leer sind, werfen wir sie in den gelben Sack. Sie wandern dann in Recyclinganlagen. Dort wird die Folie vom Papier getrennt. Papier und Folie werden gewaschen, klein gehäckselt, getrocknet und zu Granulaten ( kleinen Schnippelchen /Körnchen verarbeitet. 

Diese Granulate sind aber nicht so rein, dass sie wieder für die gleiche Lebensmittelpackung verwendet werden können. Deshalb stellt man aus den Granulaten Kartons, Recyclingpapier her. Die Kunststoffgranulate werden zu Blumentöpfen, Gartenstühlen, Abwasserrohren etc. verarbeitet.

Flaschen hingegen können mehrfach verwendet werden. Man spricht deshalb auch hier von Mehrwegverpackungen. Auf den ersten Blick hat das natürlich viele Vorteile. Das Glas ist fest, sauber und appetitlich. das alles spricht auf den ersten Blick für Glasflaschen. Bevor eine Flasche aber erneut gefüllt  werden kann, muss sie zunächst gründlich gereinigt und auf Schäden hin durchleuchtet werden. Verschmutze Flaschen und beschädigte Flaschen werden ausgesondert. und eingeschmolzen .

Die Reinigung der Flaschen und die vielen Lufträume, die beim Transport von Flaschen im Lastwagen verbleiben, sind die Nachteile der Flaschen. Deshalb streiten in Deutschland die Hersteller von Flaschen und Getränkekartons, was denn die bessere Lösung sei. Eine echte Antwort darauf ist noch nicht gefunden. Es ist sehr schwierig, eine gerechte Antwort darauf zu finden.

Als die leichten Pet-Flaschen eingeführt wurden, befürchtete man sehr viel Müll. Das ist aber nicht eingetreten, weil Pet-Flaschen Pfand kosten, zurückgegeben werden und komplett recycelt werden können. Die Flaschen wandern mit dem Schraubverschluss in einen großen Shredder. Dort werden die Flaschen geshreddert. Im Wasserbad werden die schweren Pet-Teilchen von den Schnipseln der Verschlüsse betrennt. Auch die Etiketten werden herausgelöst und wandern in die Altpapierverarbeitung. Die Flaschenschnipsel sind so rein, dass sie direkt wieder zu neuen Flaschen verarbeitet werden können.

Den Gedanken des Recyclings verfolgen wir heute bei allen Materialien. Selbst beim Autobau sind viele Teile schon so miteinander verbunden, dass sie einfach voneinander getrennt und wieder aufbereitet werden können. Oder denkt an Getränkedosen. Sie kosten demnächst Pfand, damit die Dosen nicht mehr achtlos weggeworfen werden. Wenn man im  Geschäft die leere Dose abgibt, erhält man sein Pfandgeld zurück. Die Dosen werden gepresst, eingeschmolzen und zu neuen Gegenständen geformt.

So hat das Dosenblech mehrere Leben. Nachdem es als Dose gedient hat, kann es nach dem Recycling zu Autokarosserien oder zu Handygehäusen verarbeitet werden. Weil Rohstoffe wertvoll sind, werden sie so oft wie möglich wiederverwendet. Auch unsere neuen Euromünzen sind aus den eingeschmolzenen alten Münzen hergestellt worden. So bleibt der wertvolle Rohstoff im Kreislauf und geht nicht verloren.

Ein altes Beispiel von Recycling waren die Kirchenglocken., Sie waren aus Bronze  gegossen. In Kriegszeiten brachten die Menschen ihre Glocken stets in Sicherheit, weil sie verhindern wollten,. dass Soldaten die Glocken zu Kanonenkugeln umgießen wollten.

Vielleicht erinnert ihr euch an die kleine Geschichte der Schulbürger von Schilda. Sie versenkten damals ihre Glocke im See.  Klug wie sie waren, markierten sie die Stelle, an der sie die Glocke versenkten mit einer Kerbe am Bootsrand. Ihr könnt euch vorstellen, dass sie ihre Glocke niemals wiederfanden.

34. Woche   -   Iglus, Zelte, Häuser, Wolkenkratzer

Ihr habt schon gemerkt. Wenn ich etwas erklären will, greife ich gerne auf die Urzustände zurück. das ist spannend und erklärt auch, wie sich die Dinge so entwickelt haben Adam und Eva lebten im warmen Paradies. Sie brauchten sich nicht vor garstigem Wetter zu schützen. Ihre Nachfahren, die auf die Nordhalbkugel der Erde wanderten, mussten sich gegen Regen, Kälte und auch gegen die feindliche Umwelt schützen.

Sie suchten sich Höhlen und wo sie keine fanden, bauten sie sich kleine Höhlen aus Ästen, Steinen, Die Zwischenräume füllten sie mit Blättern, Moos, Gras und Lehm. Mit der Zeit wurden die Behausungen immer perfekter. Stets bauten die Menschen aber mit dem Material, das sie an Ort und Stelle fanden. So erklärt sich, dass die Eskimos Häuser aus Schneeblöcken bauen, die Indianer Zelte aus Büffelhäuten, die Ägypter Häuser aus Steinblöcken und die Deutschen Häuser aus einer Mischung von Holz und Lehm, aus Fachwerk.

In der Arktis gibt es nur Schnee und Eis. Deshalb bauten die Eskimos ihre Häuser aus großen Schneeblöcken, die sie mit ihren langen Messern aus dem Schnee herausschnitten. Sie schichten Block um Block auf. Damit diese nicht sehr stabile Konstruktion beim Bauen nicht einstürzte, schichteten sie die Blöcke kuppelartig übereinander. Wenn das kleine Gebäude dann stand, verfestigten sie es, indem sie Wasser über die Konstruktion gossen. Das gefror sofort zu Eis und machte den Iglu stabil.

Die Indianer folgten den Büffelherden. Deshalb konnten sie keine festen Häuser gebrauchen.  So stellten sie eine Reihe langer Stangen spitz zueinander auf, verbanden sie mit Lederstreifen aus Büffelhaut und spannten schließlich Büffelhäute als Zeltbahnen darüber. Die Zeltspitze blieb offen, damit der Rauch des offenen Feuers abziehen konnte. Dabei entdeckten sie ganz zufällig, dass man Fleisch, das in den Rauch gehängt wird, mit Rauch haltbar machen kann.

Wenn man durch Deutschland fährt, begegnet man vielfältigen Bauweisen. Im Norden, wo es kaum Steine gibt, sind die Häuser vorwiegend aus gebackenen Steinen, aus Backsteinen gebaut. Dazu wird eine Mischung aus Lehm und Sand in eine Form gepresst und in einer Art Backofen gebrannt. Die fertigen Steine werden dann für den Hausbau verwendet. Im mittleren Deutschland, dort wo es viel Wald aber zum Bauen nur ungeeignete Steine gibt, baute man bevorzugt Fachwerkhäuser. Zunächst einmal errichtete man aus zugehauenen oder zugeschnittenen Holzbalken das Skelett des Hauses. Die Zwischenräume wurden verschalt und dann mit einem Gemisch aus Zweigen, Stroh und Lehm ausgefüllt. War die Mischung trocken, entfernte man die Schalung und füllte das nächste Fachwerkfeld. Weil Lehm aber kein so fester Baustoff ist musste man die Lehmfassade gegen Feuchtigkeit schützen. Dazu nutzte man große Dachüberstände. Vielfach verkleidete man die Fachwerkwände auch mit Schieferplatten.

Inzwischen hat sich viel geändert. Dank Eisenbahn und Lastwagen kann man heute an jeder Stelle mit fast jedem Baustoff bauen. Steine werden heute nicht mehr an Ort und Stelle gebrochen oder hergestellt. Sie werden in großen Fabriken aus Bims oder Kalk hergestellt. Ja sogar ganze Häuser werden in Fabriken hergestellt und dann als Fertighäuser auf dem Bauplatz zusammengeschraubt. Das hat seine Vorteile.

In der Fabrik können die Bauarbeiter unter schützendem Dach die Häuser bauen. Sie müssen ihre Arbeit nicht einstellen, wenn es einmal regnet, schneit oder friert. Beim Bauen wollten die Menschen schon immer hoch hinaus. Viele Burgen, Schlösser und Kirchtürme künden davon. Während diese Gebäude Stein für Stein hochgemauert werden, werden unsere modernen Hochhäuser aus Stahl und Beton hergestellt. Die Fassaden werden später nur in das Gerippe aus Stahl eingehängt. Diese Konstruktionen haben aber auch ihre Nachteile. Das Flugzeug-Attentat vom 11.September 2001 hat gezeigt, wie verwundbar Wolkenkratzer sind.

Eine andere Gefahr droht auch von Erdbeben. Nur Häuser, die speziell konstruiert sind, widerstehen den gewaltigen Erdbeben ohne einzustürzen. Hochhäuser zählen dabei wegen ihrer Stahlkonstruktion zu den sicheren Gebäuden.

35. Woche    -    Brücken, Dämme und Tunnel

Auf ihren Wegen wurden die Menschen immer wieder von großen Gewässern und Bergen aufgehalten. Doch Menschen sind findig und fanden Wege, diese natürlichen Hindernisse zu überwinden. Flüsse überquerten sie zunächst mit Stämmen, Einbäumen und Booten. Dort wo viel Verkehr war, richtete man Fähren ein. Später verband man Boote, legte Bretter auf und schon war die erste Brücke konstruiert. Cäsar konnte vor 2000 Jahren die Germanen überraschen und besiegen, weil er in Windeseile eine Brücke über den Rehein schlug und so seine Gegner vernichtend schlagen konnte.

Weil Holz als Brückenbaustoff sehr vergänglich ist, experimentierten die Menschen mit Steinen. Sie hatten aber erst Erfolgt, als ein findiger Mann ein bogenförmiges Holzgerüst erfand, auf das er die flache Steine hochkant stellte. Er hatte herausgefunden, dass die Steine sich fest ineinander verkeilen, wenn man die Holzschalung herausschlägt. Die im Bogen gefügten Steine verklemmten sich umso mehr, je mehr Druck von oben auf die Brücke ausgeübt wurde. Nun hieß es nur noch, die Zwischenräume zwischen den spitze Steinen mit Mörtel zu verfüllen.

Weil steinerne Bogenbrücken aber nicht beliebig groß konstruiert werden können, baut man seit zweihundert Jahren die Brücken bevorzugt aus Stahl. Zunächst einmal werden auch hier feste Brückenpfeiler am Flussufer und auch auf dem Flussgrund errichtet. Dann legt man feste Stahlträger von Pfeiler zu Pfeiler. Weil sich diese Stahlträger aber unter Belastung nach unten durchbiegen, musste man Lösungen finden, die Brückenträger gerade halten. Das kann man auf zweierlei Weise. Entweder stützt man die Träger noch einmal von unten ab oder man   errichtet eine Eisenkonstruktion, die den Trägern von Oben Halt gibt. Die Golden Gate Brücke in San Franzisko ist so ein Beispiel. Die an den Pfeilern befestigten Zugseile halten die Brückenplatten in der Waage.

Will man einen Übergang über einen See bauen, braucht man keine großen Brücken. Hier reicht meist ein Damm, weil das Wasser ruhig steht und kaum fließt. Ausgehend vom Ufer schüttet man Steine auf den Seegrund, bis sie oben über die Wasserfläche herausragen. Befestigt man dann die Dammkrone, hat man schon einen festen Fahrweg. Sollte ein Fluss durch den See führen, reicht es, im Strömungsbereich eine Brücke in den Damm einzubauen.

Berge waren für die Menschen oft größere Hindernisse als Flüsse. Denkt an die Geschichte von Hannibal, der mit seinen Kriegselefanten über die Alpen zog. Natürlich nutzten die Menschen die flachsten Übergänge über die Berge, die Pässe. Dennoch war der weg über die Berge extrem schwierig, gefährlich und vor allem im Winter oft unmöglich. Deshalb machten sich die Menschen bald daran, Tunnel in die Berge zu schlagen. Beim Bergbau hatten sie gelernt wie Stollen angelegt werden. Mit der Erfindung von Pulver und Dynamit wurde die Sache dann sehr erleichtert. So sprengten die Mineure vor allem in Österreich und der Schweiz lange Tunnel durch die hohen Berge und den Weg von Nordeuropa nach Südeuropa schneller und ungefährlicher zu machen.

Aber auch hier in Deutschland gibt es viele Tunnel. Für die Lahntalbahn wurden vor hundertfünfzig Jahren über 20 Tunnel in die Felsen des Tales gesprengt, damit die Züge fahren konnten. Dass man nicht einfach Brücken gebaut hat, hatte einen einfachen Grund. Ein Tunnel ist leichter zu bauen und preiswerter als eine Brücke.

36. Woche   -   Energie, Kohle, Gas, Öl, Atom, Wind, Sonne und Wasser

Wer wohnt, will es warm haben, wer fährt, braucht Kraftstoff. In dem Wort Kraftstoff steckt schon drin, dass in dem Stoff Energie stecken muss, um mich von einem Ort zu anderen zu bringen.  Energie brauche ich auch, um es in meinem Haus wärmer zu haben als draußen vor der Tür. Die Sache mit der Heizenergie haben die Menschen schon frühzeitig mit dem Feuer gelöst. Sie lernten schnell, dass Feuer wärmt und sorgten dafür, dass immer eine Flamme am Brennen war.

Weil nicht jederzeit ein Blitz für Feuer sorgte,  kümmerten sich die Menschen darum, das Feuer am Leben zu erhalten. Damit das auch verlässlich funktionierte, bestimmten sie einen als Feuermeister. Der musste dafür sorgen, dass die kleine Flamme immer brannte, auch wenn der Stamm von einem Ort zum anderen zog. In einem hohlen Baumstamm wanderte das Feuer auf dem Rücken des Feuermeisters mit. Unterwegs sorgte er immer wieder mit kleinen Holzgaben dafür, dass das Feuer am Leben blieb.

Später lernten die Menschen, dass Reibung Wärme und extreme Reibung sogar Feuer erzeugt. Durch schnelles Drehen eines Holzes auf einem anderen entsteht soviel Hitze, dass man damit feines trockenes Moos oder trockenen Zunderschwamm entzünden konnte. Eine andere Variante war der Feuerstein, so wie ihr ihn noch aus Feuerzeugen kennt. Reibt man Feuersteine aneinander oder schlägt man sie aneinander, sprühen Funken. Richtet man die Funken auf leicht entzündliches Material, entzündet sich dies und das Feuer flackert auf.

Natürlich hat man beim Abbrennen von Feuer gemerkt welche Energie im Holz steckt. Man hat auch gemerkt, dass bestimmte Holzarten mehr Energie enthalten als andere. Vermutlich durch einen Zufall ist man darauf gestoßen, dass bestimmte Steine der Erde brennen. Das war eine Sensation und schon bald pilgerten alle an die Stellen, an denen es die brennenden Steine gab. Clevere Steinzeitler handelten sogar mit den brennenden Steinen. Sie wussten nicht, dass es sich bei den brennenden Steinen um zu Steingewordenes Holz untergegegangener Wälder handelte. Sie waren nun froh, wohlige Wärme am Feuer zu erleben.

Bekannt war schon immer, dass Pech brannte. Dass Pech aber nichts anderes war als dickflüssiges Öl, das im Laufe von Millionen Jahren aus abgestorbenen Tieren entstand, das wusste keiner. Erst vor gut 100 Jahren begannen die Menschen, an vielversprechenden Plätzen nach Öl zu bohren. Einer der bekanntesten Ölsucher war Rockefeller. Sein Problem damals: Er hatte zwar Öl, aber niemand brauchte es. es gab noch keine Autos und keine Ölheizungen. Lange überlegte er, bis er auf eine Idee kam, die ihn zu einem  Milliardär, zu einem der reichsten Männer der Welt machte.  Er kaufte tausende von Petroleumlampen und verschenkte sie an die Menschen seiner Stadt. Das Geschäft machte er mit dem Petroleum (Steinöl) das er zu den Lampen als Brennstoff verkaufte.

Öl ist heute der Treibstoff, der die Welt am Laufen hält. Aber Öl wird knapp. Mit jedem Liter, den wir verbrennen, werden die Vorräte geringer. Fachleute sind sich nicht einig, on die Ölvorräte noch 50, 100 oder gar 150 Jahre halten. Spätestens in 200 Jahren sind die Ölvorräte aufgebraucht. Dann hieße es wieder zu Fuß zu gehen wenn nicht, ja wenn nicht bis dahin andere Treibstoffe gefunden sind. Doch die Menschen sind erfinderisch. Als der deutsche Physiker Hahn erstmals Atome, also di kleinsten Teilchen eines Stoffe spalten konnte, hat er der Menschheit damit unendliche Energie erschlossen. Das Problem dabei: Die Stoffe, die bei der Spaltung und beim Verschmelzen von Atomkernen entstehen sind extrem explosiv und gefährlich. Atomenergie verlangt deshalb sehr viel Sicherheit im Umgang. Und weil die Atomstrahlen noch viele tausende Jahre nach der Atomschmelze hochgefährlich sind, stellen sie eine ewige Gefahr dar.

Aus diesem Grund wenden sich verantwortliche Forscher von der Atomenergie ab und den sogenannten regenerativen Energien zu. Das sind Energien, die immer wieder genutzt werden können, die Natur fast kostenlos anbietet. Zum Beispiel die Wasserkraft. Mit Wasserkraft treibt man Turbinen an, die Strom erzeugen. Mit Strom kann man arbeiten, heizen und fahren. Nur reicht die Wasserkraft nicht aus. Deshalb erschließt man zusätzlich die Windkraft. Der Wind treibt große Windräder an, die wie Turbinen Strom erzeugen. Du kannst dir das Prinzip vorstellen wie den Dynamo an deinem Fahrrad.

Aber Wind- und Wasserkraft können zusammen derzeit nur 10 Prozent / den zehnten teil ) der Energie liefern, die wir brauchen. Deshalb gewinnen wir auch weiterhin Energie aus der gefährlichen Kernkraft und verheizen die kostbare Kohle, das kostbare Öl und das kostbare Gas. Aber die Zukunft hält schon einen Hoffnungsschimmer bereit. Chemiker haben vor herausgefunden, dass wasser eine Verbindung von Wasserstoff und Sauerstoff ist. Wasserstoff verbrennt, wenn man ihn mit Sauerstoff zusammentut. Und das schönste an der ganzen Sache. Als ‚Asche‘ oder Abgas entsteht reines wasser. das man trinken kann. Die ersten Autos fahren schon mit Wasserstoffgas.

Es heißt jetzt nur noch, ausreichend Gast herzustellen und Gastankstellen einzurichten. Dann werden wir mit Wasserstoff fahren und heizen und mit dem anfallenden Wasser können wir uns dann auch noch waschen. Kluge Leute können sich sogar vorstellen, dass das anfallende Wasser schon im Motor wieder in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten kann und man so fast ewig mit einer Tankfüllung fahren kann. Das ist keine Zukunftsmusik. Ihr werdet es wahrscheinlich erleben.

37. Woche   -   Nachrichten

Wenn anlässlich des New-York-Marathons fünfzigtausend Läufer durch New York hetzen, denkt kaum einer daran, dass der erste Marathonläufer ein Bote war, der 490 Jahre vor Christi Geburt die Nachricht vom Sieg der Griechen über die persische Flotte nach Athen trug. Dort überbrachte der Läufer die Nachricht und brach dann den Erzählungen nach tot zusammen. Dieses Ereignis gab dem Marathonlauf seinen Namen.

Noch lange Zeit setzte man Läufer zum Überbringen von Nachrichten ein.  In Amerika setzte man in den Gründerjahre auf Botenreiter, die von Poststation zu Poststation ritten und Nachrichten überbrachten. Der sogenannte Pony-Express ist heute untrennbar verbunden mit der Besiedelung des nordamerikanischen Kontinents.

Damals bildeten Botenläufer und Botenreiter regelrechte Stafetten, um Nachrichten zu übertragen. Aus dieser Zeit rührt auch unser Staffellauf.   Unser Staffelholz ist eigentlich nichts anderes als der Botenstab, der von Läufer zu Läufer übergeben wurde, bis die Nachricht das Ziel erreichte ( Stafette    - Staffel ).  Wenn ihr heute ein Staffelholz in der Hand haltet, müsst ihr euch nur ein paar Schriftzeichen darauf denken und schon ist der Nachrichtenstab fertig. In Deutschland gründete man die Post, um Nachrichten mit Reitern und Postkutschen von Stadt zu Stadt zu transportieren.

Schon früh nutzte  man Spiegel für die Übermittlung von Botschaften. In Afrika trugen Trommeln alle wichtigen Nachrichten über Land. In Amerika übermittelten die Indianer wichtige Nachrichten mit Feuer- und Rauchzeichen. Der Amerikaner Samuel Morse erfand in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Morseapparat und das   ebenfalls nach ihm benannte Morsealphabet. Durch einfaches Schließen und Öffnen eines Stromkreises, telegrafierte Morse Nachrichten quer durch Amerika.

Morse läutete mit seinem Telegrafen die Neuzeit der Nachrichtenübermittlung ein. Der Deutsche Physiker Philipp Reis entwickelte 1861 Morses Idee weiter und machte aus dem Telegrafen (Fern-Schreiber) ein Telefon (Fern-Sprecher). Mit Mikrofon und Lautsprecher wandelte er Worte in elektrische Signale um und zurück. Leider waren die Deutschen schon damals zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie die Bedeutung der Erfindung von Philipp Reis erkannten. So vergingen noch Jahrzehnte, bis das Telefon von Amerika aus den Siegszug um die Welt antrat.

Über eine Möglichkeit, die früher oft genutzt wurde, um Botschaften zu übermitteln, will ich noch berichten. Als Bub besaß ich einen Schlag mit Brieftauben. Brieftauben sind bekannt für ihre Orientierungsfähigkeit. An jedem Sommerwochenende brachten wir die besten Flieger zum Tauben-Express. Der fuhr die Tauben fünfzig, hundert, ja sogar über tausend Kilometer fort. Am Zielort ließ der Fahrer die Tauben frei. Nach kurzem Kreisen kannten die Tauben die Richtung, in der ihr Schlag lag. Dort warteten wir schon, um den Tauben den Ring abzustreifen und abzustempeln. Die schnellsten Tauben gewannen Geldpreise.

Zur Information:

Brieftauben kann man nicht in bestimmte Richtungen schicken. Man nutzt nur ihr Bestreben aus, möglichst schnell zurück zu ihrem Schlag zu fliegen. Wer Nachrichten mit Brieftauben übermitteln will, muss also die Brieftauben mitnehmen, um sie dann mit der Botschaft am Fuß nach Hause fliegen zu lassen.

Diktate 4. Quartal
Die Reihenfolge der Texte kann den jeweiligen Vorstellungen und Erfordernissen angepasst werden.
Um besser schreiben zu lernen, ist es auch nicht unbedingt erforderlich, alle Texte durchzuarbeiten.
Auch mit der Übung eines Teils der Texte stellen sich schon Verbesserungen ein.

38. Woche   -   Transport in alter Zeit - von Rad, Achse und den ersten Wagen

Ötzi hat all seine Sachen noch bei sich getragen. In seinen Taschen, auf der Schulter, auf dem Rücken und in der Hand. Wollte man in der Zeit vor Christi Geburt größere Lasten transportieren, nutzte man den Karren. Leichte Güter verfrachtete man einfach mit dem Handkarren, für den Transport schwerer Güter, spannte man den Ochsen ein. Bis dahin war es ein weiter Weg.

Über den längsten Zeitraum der Menschheitsgeschichte trugen die Menschen ihre Sachen. Irgendwann einmal kam ein Vorfahre von Fred Feuerstein darauf, dass man schwere Sachen transportieren kann, wenn man runde Hölzer unterlegt. Nach diesem Prinzip wurden später die Steine für die Pyramiden transportiert und wahrscheinlich sind auch die Steine der riesigen Monumente von Stonehenge und den Osterinseln auf Stämmen gerollt worden.

Der Transport auf rollenden Stämmen war nur etwas für sehr schwere Gegenstände. Für leichtere eignete er sich nicht. So schnitt eines Tages ein Mann zwei Scheiben von einem Stamm ab, bohrte je ein Loch mitten in diese Baumscheiben, steckte einen kräftigen Knüppel als Achse durch diese Löcher und sicherte diese mit Splinten gegen das Herausfallen. Die erste Achse mit zwei beweglichen Rädern war erfunden.

Einer seiner Nachfahren kam dann auf die Idee, einen Kasten auf der Achse zu befestigen, in den man Waren aller Art legen konnte. Der Wagen war erfunden. Am Kasten seitlich befestigte er noch je eine Stange und schon konnte man den Wagen ziehen oder schieben. In Entwicklungsländern findet man noch heute überall solche Transportwagen. Auch unsere Schubkarre funktioniert nach diesem Prinzip.
( Beide Sprech- und Schreibweisen sind möglich: die Karre, der Karren )

Weil das Ziehen und Schieben eine beschwerliche Sache ist, dachte sich ein anderer eine Vorrichtung aus, mit der man einen Ochsen, einen Esel oder auch ein Pferd vor den Wagen spannen konnte. Damit war das erste Fuhrwerk erfunden. Nun musste  der Karrenmann nicht mehr selbst ziehen oder schieben.   Als Fuhrmann konnte er sich darauf beschränken, die Zugtiere anzutreiben, zu lenken und zu bremsen.

Koppelt man zwei einachsige Wagen, so erhält man einen Zweiachser. Zweiachser boten einen großen Vorteil. Sie konnten beladen werden, ohne dass sie nach hinten oder nach vorne kippten. Dazu trugen sie mehr Last. So versuchte man, die Wagen immer größer zu  bauen, um möglichst viele Güter transportieren zu können. Doch hatte das seine Grenzen, weil die Wege eng und schlecht waren und die Zugkraft der Ochsen und Pferde begrenzt war.

39. Woche   -   Dampfmaschine, Eisenbahn, ICE und Transrapid

Auf diesem Niveau stand die Entwicklung der Wagen still, bis mit der Erfindung der Dampfkraft ein neues Kapitel in der Transportgeschichte aufgeschlagen wurde. Als man erstmals ein Wagengestell mit einer Dampfmaschine kombinierte, hatte man ein selbst fahrendes Fahrzeug. Die Kunst war dabei, die Dampfkraft aus dem Dampfkessel auf die Räder zu übertragen

Mit dem ausströmenden Dampf ließ sich eine Stange bewegen. Deren Ende wurde am Außenrand eines Rades beweglich befestigt. Von alten Lokomotiven kennt ihr sicherlich das Kraftübertragungsprinzip mit den Stangen an den Rädern. Mit diesen Stangen setzte man die Dampfkraft in eine Drehbewegung um. Der Dampfantrieb war erfunden, die Lokomotive trat ihren Siegeszug an.

Weil Lokomotiven und die zugehörigen Wagen jedoch sehr schwer waren, musste man ihnen einen eigenen Fahrweg bauen. Man setzte Lokomotiven und Wagen auf Schienen, die auf  festen Schwellen ruhten. Die Schienen waren aus Eisen, die Bahn ebenfalls. Die Eisenbahn war geboren. Konstruktionsbedingt ist die Bahn an ihre Gleise gebunden. Will sie einem entgegenkommenden Zug ausweichen, muss die Bahn über eine Weiche auf ein Nebengleis umgeleitet werden. 

Mit der Eisenbahn kam Bewegung in die Welt der Güter. Um Dampfmaschinen zu betreiben, musste ständig Kohle nachgelegt werden. Nur so stand immer ausreichend  Dampf zur Verfügung. So fuhr neben dem Lokomotivführer stets ein Heizer auf den Lokomotiven mit. An die Lokomotive angehängt war ein sogenannter Tender. In diesem Anhänger führte man die zum Heizen erforderliche Kohle mit.

Aber auch die Eisenbahn hat sich weiterentwickelt. Nachdem die ersten Fahrgäste schreckliche Angst vor dem Gefährt hatten, gewöhnten sich Menschen und Tiere bald an das zischende und fauchende Ungetüm, das da auf seinen Schienen brav tagaus tagein seine(r) Wege fuhr. Als man die Vorteile der Bahnen erkannte, baute man das Schienennetz aus. Natürlich wurden die Lokomotiven leistungsstärker und die Wagen komfortabler.

Neben dem Personenwagen entwickelte man alle möglichen Güterwagen. Sogar Kranwagen.  Je nach Geschwindigkeit unterschied man Personenzüge, Eilzüge und D-Züge. Inzwischen ist das  Angebot noch breiter, noch praktischer und noch schneller  geworden. In der Stadt  ( Kopfbahnhof) verkehren neben Zügen noch Straßenbahnen und S/Stadt)Bahnen. Weil die aber den übrigen Verkehr oft störten, verlegte man ihre Schienen unterirdisch. Aus Straßenbahnen wurden U-Bahnen. 

Auf den großen Fernstrecken verkehren immer mehr und immer schnellere Züge. Die Intercity-Züge wurden entwickelt. Weil die aber so schnell fuhren, dass die üblichen Schienenstrecken für die hohen Geschwindigkeiten ungeeignet waren, baute man  gesonderte Strecken für die schnellen ICE.  Neben dem ICE wurde auch eine Magnet-Schwebebahn entwickelt. Der Transrapid fährt gänzlich ohne Räder auf einem Magnetkissen. Die Nachfolger der Magnetschwebebahn werden noch schneller auf kleinen Luftpolstern fahren.

40. Woche   -   Von der Dampfmaschine zum Benzinmotor

Die Idee, Kutschen mit Motor anzutreiben, ging den Leuten nicht aus dem Kopf. Mit Dampfkraft war das nicht zu machen. Was man brauchte, waren ein leichter Motor und ein geeigneter Kraftstoff für deren Betrieb. Unabhängig voneinander experimentierten viele Erfinder in ihren Werkstätten. Die bekanntesten waren Benz, Daimler und Diesel.  Sie setzten auf leichte Motoren, die mit Benzin angetrieben wurden. Benzin war eine Flüssigkeit, die aus Erdöl gewonnen wurde. Diesel verwendete das etwas dickflüssigereDieselöl, das nach ihm benannt wurde.

Nachdem sich die Idee der Motorkutsche durchgesetzt hatte, dauerte es nur noch kurze Zeit, bis Personenkraftwagen, Lastkraftwagen und Omnibusse für den Transport von Gütern und Wagen eingesetzt wurden. Pferde hatten damit als Zugtiere ausgedient. Die Erinnerung an sie blieb allerdings in der Maßeinheit 'Pferdestärken - PS ) erhalten, die wir noch gerne als Gradmesser für die Leistung eines Fahrzeugs verwenden, auch wenn die vereinheitlichte Leistungsangabe heute in Kilowatt ( KW) erfolgt.

Mit der Erfindung der Benzin- und Dieselmotoren konnte auch abseits der Schienen auf Wegen und Straßen gefahren werden. Natürlich eigneten sich die damaligen schlechten Straßen noch nicht sonderlich gut für die modernen Autos. Schlaglöcher, Fahrrinnen und die zahllosen Kuhfladen machten das Fahren beschwerlich. Als Schutz gegen den hochgeschleuderten Dreck und Kot versah man die Autos mit Kotflügeln. So kamen die Kotflügel zu ihrem Namen.

Nach und nach wurden aus motorgetriebenen Kutschen richtige Autos. Henry Ford war der Erste, der Autos am Fließband in großer Serie fertigen ließ.
Neben Personenautos wurden auch Lastwagen entwickelt. Die ersten LKW hatten eine offene Ladefläche. Bald erkannten findige Wagner, dass man diese Ladefläche für viele verschiedene Zwecke nutzen und umbauen kann. Aus dem Beruf des Wagners wurde der des Karosseriebauers.

Wer heute einen komplett verkleideten modernen Truck sieht, kann sich kaum vorstellen, dass dessen Vorläufer ein hochrädriger Motorwagen mit offener Ladefläche war. Um Fahrgäste transportieren zu können, versah man den LKW mit einer Treppe und setzte ein festes Fach auf.  Nun brauchte man nur noch ein paar Bänke auf der Ladefläche zu befestigen und fertig war der Bus.

Dieselöl entspricht in seiner Qualität unserem Heizöl. Lange Jahre fuhren Dieselfahrer mit dem preiswerteren, geringer versteuerten Heizöl anstelle des teureren Dieselkraftstoffs. Sie machten sich aber der Steuerhinterziehung schuldig. Wer erwischt wurde, hatte mit  harten Strafe zu rechnen. Heute ist Heizöl eingefärbt, damit die Kontrolleure sofort erkennen, dass es sich um Heizöl oder Diesel handelt.

41. Woche   -   Transport in der neuen Zeit

Mit der Eisenbahn und den neuen Flugzeugen kam Bewegung in die Welt der Güter. Schon vorher konnte man Schiffe mit großen Dampfmaschinen bauen, die unabhängig vom Wind Waren und Passagiere über die Ozeane transportieren konnten.  Dampfmaschinen waren aber sehr schwer und verlangten ständiges Nachlegen von Brennmaterial, damit stets genügend Dampf zur Verfügung stand. So musste neben dem Lokomotivführer oder dem Kapitän  stets Heizer auf Lokomotiven und Dampfern mitfahren.

Mit der Erfindung der Benzin- und Dieselmotoren konnte auch auf Straßen  gefahren und transportiert werden. Natürlich eigneten sich die damaligen schlechten Straßen nicht sonderlich gut für die modernen Autos. Weil überall Kuhfladen und Pferdeäpfel auf den Straßen herumlagen, wurden die Fahrer der Benzinkutschen nicht selten damit vollgespritzt. Ihr kennt das von euren Mountainbikes, die keine Schutzbleche haben. Zum Schutz gegen den hochgeschleuderten Dreck baute man Kotflügel an die Kutschen. Sie hielten den Kot ab. So kamen die Kotflügel zu ihrem Namen.

Nach und nach wurden aus motorgetriebenen Kutschen richtige Autos. Henry Ford war der erste, der Autos am Fließband in großer Serie fertigen ließ. Neben Personenautos wurden auch Lastwagen entwickelt. Dazu erfand man den umständlichen Lastkraftwagen, den die Leute schnell auf LKW abkürzten. Personenkraftwagen waren PKW.  Die ersten LKW hatten eine offene Ladefläche.

Schnell erkannten findige Wagner/Karosseriebauer, dass man diese Ladefläche für viele verschiedene Zwecke nutzen und umbauen kann. Wer heute einen komplett verkleideten modernen Truck sieht, kann sich kaum vorstellen, dass dessen Vorfahre  ein hochrädriger Motorwagen mit offener Ladefläche war.  Wenn man eine Treppe am LKW befestigte und ein festes Dach aufsetzte, so brauchte man nur noch ein paar Bänke und fertig war der Bus. Mit einem aufgesetzten Tank wurde der LKW zum Tankwagen.

42. Woche   -   Vom Floß bis zum Ozeanriesen.

Wenn ein Fluss Hochwasser führt, dann reiß er auch gelegentlich Stämme mit. So ein Baum war vielleicht einmal Lebensretter für einen Menschen. Weil die Menschen damals viel Zeit hatten, hat er vielleicht seinen lebensrettenden Baum ein wenig zugeschnitten und innen ausgehöhlt, weil er merkte, wie gut und sicher er mit dem Baum auf dem Wasser fahren konnte. Aus einem Baum war so ein Einbaum entstanden.

Leider war so ein Einbaum etwas kippelig. Man musste schon sehr gut die Balance halten, um nicht umzukippen. Mit einem kleinen Trick war die Sache zu lösen  Man befestigte zwei Stangen am Einbaum und am Ende der Stangen einen zweiten aber kleineren Stamm. So hielt der Einbaum seine Balance. Und noch ein Vorteil stellte sich ein. Belegte man die beiden Auslegerstangen mit Brettern oder Knüppeln, hatte man ein richtiges Deck, auf dem man sitzen, liegen oder arbeiten konnte. Mit einer kleinen Hütte wurde das Auslegerboot zum Hausboot.

Ihr könnt euch sicher vorstellen wie die Entwicklung weiterging. Das Boot brauchte eine bessere Steuerung. Dazu gab es ein Ruder am hinteren Ende des Bootes. Für den Vortrieb konnte man Ruder einsetzen oder ein großes Tuch, in dem sich der Wind fing und das Boot in Windrichtung vorantrieb.

Nur war das wieder ein Problem. Wenn man raus aufs Wasser fahren wollte man ja auch wieder heimkommen. Da hieß es mächtig rudern oder den Verstand einsetzen und schräg zum Wind kreuzend gegen den Wind nach Hause zu segeln.

Wind war eine praktische und preiswerte Antriebsenergie für Schiffe. Die ganze Welt wurde mit windgetriebenen Segelschiffen entdeckt und erschlossen. Aber neue Entwicklungen lösen die vorhandene Technik immer wieder ab. Kaum waren die Dampfmaschinen entwickelt, gab es auch schon das erste Dampfschiff. Unabhängig vom Wind konnte man jetzt gerade auf sein Ziel losfahren. Die starken motorgetriebenen Schiffe machten es möglich, Schiffe größer zu bauen und mehr Passagiere und mehr Lasten zu transportieren.

Die große Zeit der Dampfschifffahrt begann. Bald kreuzten riesige Schiffe auf den Ozeanen. Was auf dem Land die Eisenbahn, war auf dem Meer das Passagierschiff. Die Schiffer fuhren um die Wette zwischen Amerika und Europa. Das jeweils schnellste Schiff erhielt das Blaue Band. Das Blaue Band wollte sich vor 90 Jahren auch die Titanic holen.  Durch eine Unachtsamkeit des Kapitäns stieß sie jedoch mit einem Eisberg zusammen und sank mit fast 2000 Menschen an Bord.

Mit dem Aufkommen der Flugzeuge verlor die Passagierschifffahrt an Bedeutung. Mit dem Flugzeug gelangten die Menschen schneller an ihr Ziel. Passagierschiffe werden heute vor allem als Urlaubsschiffe, als Kreuzfahrtschiffe auf den Ozeanen eingesetzt.  Für Frachten ist das Schiff nach wie vor das preiswerteste und praktische Transportmittel. Hier muss keine Straße gebaut werden. Die ist schon von der Natur aus gegeben.

Frachtschiffe im Überseeverkehr werden immer größer. Wir unterscheiden Schiffe, die Massengüter transportieren (wie Erze, Kohle und Öl)  und Containerschiffe, die große Seekisten mit allen möglichen Produkten transportieren. Zukünftig wird es auch Schiffe geben, die Energie in Form von Gas aus der Wüste in die weite Welt transportieren und die andererseits Wasser aus gemäßigten Zonen in die Wüstengebiete transportieren.

43. Woche   -   Vom Ballon bis zum Düsenjet

Sicher kennst du die Geschichte vom Schneider von Ulm, der sich mit seinem selbst gebauten Fluggerät vom Kirchturm in die Donau stürzte. Grundsätzlich entsprach die Konstruktion seines Flugdrachens den heutigen Drachengleitern, doch war die Konstruktion nicht ausreichend stabil. Sie klappte unter der Belastung zusammen und der Schneider stürzte unter dem Spott der Leute in die Donau.

Der Sage nach soll sich der Grieche Dädalus mit seinem Sohn Ikarus mit Hilfe angehefteter Vogelfedern in die Luft erhoben haben. Als der König die beiden nicht in ihre Heimat ziehen lassen wollte,  sammelte Dädalos die Federn aus den Schwingen großer Vögel, befestigte sie mit Wachs an seinen Armen und an denen seines Sohnes. So stiegen sie in den Himmel und flohen aus der ungeliebten Stadt. Vor lauter Freude am Fliegen stieg Ikarus immer weiter zum Himmel hinauf. Der Sage nach merkte er nicht, wie das Wachs schmolz und die Federn sich lösten. Er stürzte aus große Höhe ins Meer.

Weitere Flugversuche gab es dann mit Ballons und dann mit den fliegenden Kisten der Gebrüder Wright in Amerika. Es gab aber auch eine Reihe von Flugversuchen deutscher Flugpioniere. Einen ersten Höhepunkt erlebte die Fliegerei mit der Atlantiküberquerung von Charles Lindbergh, der von Amerika  kommend mit dem Europa ansteuerte und schließlich in Paris landete.

Graf Zeppelin suchte mit seinen gasgefüllten Luftschiffen einen anderen Weg. Er richtete einen regelrechten Zeppelin-Liniendienst zwischen Europa und den Vereinigten Staaten ein. Im Gegensatz zu Ballons waren Luftschiffe lenkbar und in der Lage, auch größere Gewichte zu transportieren. Zeppelins Hoffnungen zerbarsten, als sein größtes Luftschiff, die Hindenburg,  im amerikanischen Lakehurst in der Luft explodierte.

Als man stärkere Motoren und dünneres Blech herstellen konnte, baute man Flugzeuge mit einer Außenhaut aus Metall. Eines der bekanntesten Pionierflugzeuge baute der deutsche Konstruktuer Junkers. Seine alte "Ju" erkennt man heute noch auf Bildern an ihrem typischen Wellblechlook.

1939 kam der große Krieg über Europa und Amerika. Alle Kraft wurde darauf verwandt, Kriegsflugzeuge zu bauen. Die Flugzeuge mussten immer schneller werden. Als dies mit Propellern nicht mehr möglich war, wurden die ersten Düsenjäger entwickelt. Sie kamen im Krieg aber nur vereinzelt zum Einsatz.

Nachdem Krieg begann die große Ära der Verkehrsmaschinen mit Düsenantrieb. Die  bekanntesten Flugzeuge kamen von der Firma Boeing. In Europa gab es nur noch kleine Flugzeugfabriken, die vor allem kleine Privatmaschinen und kleine Verkehrsflugzeuge bauten. Vor 30 Jahren entschlossen sich mehrere europäische Regierungen, sich zusammenzutun und eine eigene europäische Flugzeugfabrik aufzubauen.

Am Anfang spottete alle Welt über das europäische Projekt. Inzwischen kommt fast jedes zweite Verkehrsflugzeug, das auf der Welt seinen Liniendienst aufnimmt,  aus den europäischen Flugzeugfabriken. Ihr kennt sicher alle die Airbusse. Anfangs gab es nur ein Modell. Inzwischen gibt es eine ganze Palette für alle Zwecke und alle Strecken. Der größte Airbus sieht aus wie ein dicker Delfin. Er hat ein großes hochklappbares Maul. Er ist speziell dafür gebaut, große Airbusteile von einer Flugzeugfabrik zur anderen zu fliegen.

So schön und schnell die Fliegerei ist, so hat sie doch auch gewaltige Nachteile. Flugzeuge machen bei Start und Landung viel Lärm, verbrauchen viel Treibstoff (Kerosin) und verschmutzen die Atmosphäre. Deshalb richtet sich das Interesse der Konstrukteure vor allem darauf, Flugzeuge umweltfreundlicher zu konstruieren. Sie bemühen sich, den Lärm zu mindern und den Treibstoffverbrauch zu senken. Deshalb werden die Flugzeuge langsam ihr Gesicht ändern. Die Tragflächen und die Kabinen werden größer. So können bei gleichbleibendem Verbrauch wesentlich mehr Passagiere transportiert werden.

44. Woche   -   Erde und Weltraum:

Etwa 100  Jahre vor Christi Geburt  lebte der Grieche Ptolemäus in der ägyptischen Stadt Alexandrien. Schon damals schrieb er eine "Anleitung zur Erdbeschreibung" , in der er die Lage bekannter Städte und Länder auf der Erdkugel angab. Ja, Ptolemäus war sicher, dass die Erde eine Kugel war. Er hatte sogar schon damals recht genau den Umfang der Erde ermittelt. Was er nicht wusste, war, dass sich nicht die Sonne um die Erde, sondern die Erde um die Sonne bewegte

Doch all das frühe Wissen um die Erde ging verloren oder verschwand tief in den Bibliotheken. Noch vor 500 Jahren war es bei schwerster Strafe verboten, zu behaupten, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Bis dahin glaubten die Seefahrer sogar noch an die Tellergestalt der Erde. Um nicht über den Rand der Erde ins endlose All zu stürzen, hielten sich die Seefahrer auf ihren Fahrten immer dicht an den Küsten.

Mit ihren großen Entdeckungsreisen bewiesen Kolumbus und Magellan, dass die Erde kein flacher Teller war. Sie stützen sich bei der Planung ihrer Reisen auf die Berichte der Geografen ihrer Zeit. Eine wichtige Orientierung gab ihnen   seinerzeit der von dem Nürnberger Kartografen entwickelte erste Globus. Kolumbus entdeckte auf der Suche nach Indien den Kontinent Amerika, Magellan segelte als erster Seefahrer rund um die Erde. So bewies die Praxis die Richtigkeit der Theorien

45. Woche   -   Sonne, Mond und Sterne

Heute wissen wir, dass das die Welt riesig groß ist. Ob sie unendlich groß ist, kann keiner sagen. Wir wissen auch, dass es im All viele Sonnensysteme wie unseres gibt, in dem sich Himmelkörper um einen anderen drehen und dabei von  Schwerkräften  auf  ihrem Kurs gehalten werden. Mit ihren Raketen gelang es den Menschen vor 40 Jahren erstmals, die Schwerkraft der Erde zu überwinden und hinaus ins Weltall zu fliegen. Zuerst kreisten russische Kosmonauten um die Erde, dann landeten amerikanische Astronauten auf dem Mond. Weiter als bis zum Mond ist jedoch noch kein Mensch gekommen.

Erste Raketensonden sind auf dem Mars gelandet und haben Bilder und Bodenproben zur Erde gefunkt. Andere Sonden sind auf dem Weg in andere Galaxien. Wegen der großen Entfernungen ist es unmöglich, Menschen ins weite All hinaus zu schicken. Wir könnten ihnen gar nicht genug zu essen mitgeben. Dazu kommt noch das Problem der riesigen Entfernungen. Die Menschen würden sterben, bevor sie das nächste Sonnensystem erreicht hätten.

Die Reisegeschwindigkeit unserer heutigen Raketen ist für solche Expeditionen viel zu niedrig.  Während eine Rakete bei einer Geschwindigkeit von etwa 20.000 Stundenkilometern 20 Stunden braucht, um den Mond zu erreichen, schafft das Licht diese Strecke in etwas mehr als 1 Sekunde. Die Lichtgeschwindigkeit beträgt nämlich 300.000 Kilometer pro Stunde. Da kommt so schnell nichts mit.

Zum Abschluss möchte ich euch mit einem kleinen Phänomen nachdenklich machen. Stellt euch einmal die Situation zu Jesu Geburt vor. Das ist recht genau 2000 Jahre her. Säße ich auf einem 2000 Lichtjahre entfernten Stern und hätte ein Superteleskop am Auge, könnte ich gerade jetzt beobachten, was vor 2000 Jahren hier auf der Erde passierte. So lange brauchte nämlich das Licht und mit ihm das Bild, bis es auf meinem Stern wäre.

Hätte ich nun ein Raumfahrzeug, das sich noch schneller als das Lichtmit dem Bild bewegte, könnte ich das Bild überholen und   rückwärt in die Vergangenheit sehen. Wäre ich nur lange genug unterwegs, könnte ich sogar die Entstehung der Erde vor 5 Milliarden Jahren filmen. Lasst uns noch ein Stück weiter denken: Viele Sterne, die oben am Himmel stehen,  existieren gar nicht mehr. Was wir sehen, ist nur noch ihr Bild, das sich im Weltraum verbreitet und das wir gerade einfangen.  Es könnte uns also passieren, dass wir uns zu einem Stern aufmachen, den wir zwar noch sehen, der aber schön längst untergegangen ist.

46. Woche    -    Von Briefen und Paketen

An früherer Stelle hatte ich schon von den Staffelhölzern mit ihren eingekerbten Nachrichten berichtet. Das waren die Briefe vor unserer Zeit. Auch Steintäfelchen, Wachstäfelchen und andere Schreibmaterialien trugen Nachrichten.  Später lernte man Papier herzustellen. Mit Gänsekielfeder und Tinte schrieb man darauf die Nachrichten, also den   den Brief.

Früher gab es nur wenige Menschen, die schreiben konnten . Entsprechend wenige Briefe wurden deshalb auch geschrieben. Briefe, die an weit entfernt lebende Menschen adressiert waren,  wurden der Postkutsche mitgegeben. Die Fürsten von Thurn und Taxis betrieben einen Postkutschen-Taxi-Unternehmen. Natürlich waren sie geschäftlich daran interessiert auch Briefe zu befördern. Als Zeichen, dafür, dass die Transportgebühren ( das Porto) bezahlt waren, klebten sie Marken auf die Briefe. So sind Briefmarken von Thurn und Taxis heute begehrte Sammlerobjekte.

Inzwischen hat sich einiges geändert. Wenn du einen Brief schreibst,  steckst du ihn in den Umschlag (ins Kuvert), klebst dieses zu, geht’s zur Post oder zum Briefmarkenautomaten, löst eine  Briefmarke, klebst sie auf den Brief und wirfst dann  den Brief in den Kasten. Stunden später kommt ein Postbote vorbei, leert die Briefe in einen großen Postsack und transportiert sie zum nächsten Postamt. Hier werden die Briefe gesammelt, ordentlich hintereinander gestapelt,  in Kisten gepackt und dann zum nächsten Sortieramt geschickt.

Dort werden die Briefe aus dem Kasten genommen und auf ein Sortierband gesteckt. Brief  für Brief schnappt sich der Greifer des Sortierbandes   und führt ihn vor die Lesekamera. Für einen Augenblick hält der Brief an. Die Kamera erkennt die Postleitzahl und sortiert den Brief  auf das entsprechenden Förderband. So werden die eingesammelten Briefe sekundenschnell den Postleitzahlgebieten zugeordnet und wandern in die entsprechenden Transportboxen.

Mit dem Lastkraftwagen werden die Transportboxen ins zugehörige Transportcenter geliefert. Von dort gelangen sie in die Zustellbezirke. Hier sortierten Postboten die Briefe in Fächer, die sich an den Straßen und den Hausnummern orientieren. Die Briefträger packen sich dann ihr Briefbündel, laden es auf den Zustellwagen und machen sich auf den Weg, um die Briefe auszuliefern.

Früher haben die Leute oft von der Schneckenpost geredet. Das stimmt gar nicht. Die Post ist sehr schnell. Die meisten Briefe, etwa 90 Prozent, gelangen schon am Tag nach dem Einwurf zum Empfänger. Nur ganz wenige Briefe brauchen einen oder zwei Tage länger. So wie Briefe, werden auch Pakete verschickt und ausgeliefert.

47. Woche   Von Telefax, Telefon und E-Mail

Bei diesem Thema kann ich gerade mal 150 Jahre zurückblicken. Das war die Zeit, in der Morse den Telegrafen und später Philipp Reis das Telefon entwickelte.  Es ist verständlich, dass die Menschen schnell zu Gunsten ( auch zugunsten) des Telefons auf den Telegrafen verzichteten. Beim Telefonieren kann man einfach reden.  Da merkt keiner, ob man einen Fehler schreibt oder nicht.

Lange Zeit waren die Menschen mit dem Telefon zufrieden. Der Telgraf wurde als Fernschreiber bei Firmen und bei Behörden eingesetzt. Ich erinnere mich noch gut, wie die Fahndungsberichte der Polizei auf schmalen Streifen ausgedruckt aus dem Fernschreiber ratterten. Zusammen mit meinem Vater las ich damals die Streifen beim Ausdruck. Er klebte sie dann auf ein Blatt Papier und heftete die Fernschreiben so an die Wand oder in den Ordner.

Das ist Vergangenheit. Heute nutzen wir Telefon und Telefax. Das Telefon funktioniert wie früher. Nur sind die Wahlscheiben durch Tasten ersetzt und die Übermittlung der Sprache erfolgt nicht mehr nur in Sinustönen, sondern vor allem als digitale Zeichen. Am Beispiel des Faxes mache ich das deutlich.

Wenn ich ein Blatt mit Text und Bildern in ein Faxgerät einlege, läuft im Gerät ein komplizierter Prozess ab. Das Fax teilt sich das Blatt in kleine Felder ein. Nehmen wir eine Auflösung von 100 dpi(Dots per inch /Punkte pro Zoll)   an,  dann heißt das: Das Fax löst einen Zollquadrat in 100 x 100 also in 10.000 kleine Quadrate auf. Dann schaut der Fax-Scanner nach, welche von den Flächen weiß und welche schwarz bedruckt sind. Es merkt sich die Position der bedruckten Flächen wie beim Schiffe-Versenken-Spiel und meldet dem Fax am anderen Ende der Leitung: Achtung Feld xy ist schwarz, Feld  yz bleibt weiß. So meldet es Punkt für Punkt an das verbundene Fax. Dieses färbt die entsprechenden Felder auf seinem Papier ein und heraus kommt eine ziemliche genau Kopie unserer Schreibens.

Faxen ist eine feine Sache. Faxen verlangt aber ziemlich aufwendige Geräte. Wir brauchen zwei Scanner und zwei Druckeinrichtungen. Am PC lässt es sich noch leichter faxen. Da nennt man die Sache E-Mail, Elektronische Mail, elektronische Post. Im Prinzip arbeitet E-Mail so ähnlich wie ein Fax-Gerät. Nur dass ich hier den Text nicht erst schreibe, ausdrucke und den Ausdruck ins Faxgerät lege, um ihn dann zu versenden.

Bei E-Mail schreibe ich den Text in eine Computer-Datei. Ich drucke ihn  nicht aus. Habe ich den Text geschrieben, wähle ich mich ins Internet ein und schicke meinen geschrieben Brief mit einem Mausklick an meinen Briefpartner. Stopp. An meinen E-Mail-Partner. Sekunden später ist der Brief dort.  Mein Gegenüber kann dann entscheiden, ob er den Brief nur liest oder ihn auch ausdruckt und abheftet. Ähnlich wie E-Mails funktioniert auch der Versand von SMS (Short-Message-Service).