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Rechtschreibung
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Natürlich kann es auch die Internet-Rechtschreib-Schule hier nicht schaffen, alle Schüler zu perfekten Rechtschreibern zu machen. Aber: Alle die mitmachen, werden ein Stück sicherer schreiben, werden am Rechtschreib-Berg ein gutes Stück höher kommen. Unternehmen und Sportler als Vorbilder:
Die wichtigsten Grundsätze für den Weg zu einer sichereren Rechtschreibung:
Eigene Einschätzungen Hundertprozentig richtig können nur ganz wenige Menschen schreiben. Gute und sehr gute Rechtschreiber schaffen eine Richtig-Quote, die von etwa 80% bis gegen 99 % reicht. Ich selbst stufe mich nach eigener Einschätzung bei einer Quote von etwa 90 % ein. Ich kann fast alle Wörter und Fremdwörter richtig nach Diktat schreiben, habe aber Restprobleme bei den Spezialitäten der Rechtschreibung, bei komplizierten Wortableitungen, bei schwierigen Fällen von Klein- und Großschreibung, bei Getrennt- und Zusammenschreibung und auch bei der Komma-Setzung. Ich muss aber auch sagen, dass ich mich niemals um die letzten 10 % gesorgt habe. In der Regel helfe ich mir mit dem Wörterbuch. Gibt das Wörterbuch keine ausreichend klare Antwort, stelle ich einfach meinen Satz so um, dass Fehlermöglichkeiten ausgeschlossen werden. Als Fachbuchautor nehme ich die Rechtschreibung gelegentlich in die eigene Hand und setze mich - um des besseren Verständnisses willen - auch schon einmal über geltende Bestimmungen hinweg. Da mir heute keiner mehr etwas diktiert, erreiche ich mit Hilfe des Wörterbuchs in meinen Texten eine Richtig-Quote, die gegen 98 % geht. Dabei zähle ich Tippfehler und Buchstabenverdreher beim Tippen nicht mit. Die können in der Eile oder aus Unachtsamkeit immer wieder einmal einfließen. Das Gros ( = der größere Anteil) der Menschen liegt, in recht enger Anlehnung an die Normal-Verteilungs-Kurve, bei einer Richtig-Quote zwischen 40-80 Prozent. Sie erreichen in unserem Bergsteiger-Beispiel die Mittelstation. Von den restlichen 40 % schreiben 30 % noch erkennbar verständlich. Gut 10 Prozent kriegen die Sache mit den Buchstaben nicht auf die Reihe. Sie sind/bleiben Analphabeten. Ein kleiner Trost: Auch viele Schriftsteller haben kleine oder größere Probleme mit der Rechtschreibung. Verlage beschäftigen deshalb rechtschreibsichere Lektoren, die den Inhalt der Bücher und die Rechtschreibung der Manuskripte fein schleifen. Um richtig schreiben zu können, stützen wir uns auf die drei Säulen:
So starten wir beim Schreiben mit den eigenen Kenntnissen. Diese werden schon einmal beim Schreiben vorab und grob vom Schreib-Programm in Form gebracht. Weil aber auch Computer in der Regel nur fähig sind, ca. 80-90% möglicher Fehler zu korrigieren, müssen wir zum Abschluss selbst noch einmal mit dem Wörterbuch ran. Bei anspruchsvollen Textdokumenten, z.B. bei Semester- oder Examensarbeiten empfiehlt sich nach wie vor die Korrektur durch eine rechtschreib-fitte Person.
Was Konrad Duden vor etwa 100 Jahren sagte, muss man sich einmal auf der Zunge, bzw. in den Ohren zergehen lassen. Man könnte meinen, die Zeit wäre stehengeblieben und/oder dieVerantwortlichen der Rechtschreibung haben nichts dazugelernt ! "Die bisherige deutsche Rechtschreibung schädigt durch nutzlose Gedächtnisbelastung ...... die geistige und leibliche Gesundheit unserer Jugend. Indem sie der Schule kostbare Zeit und dem Kinde Lust und Freude am Lernen raubt, ist sie der schlimmste Hemmschuh unserer Volksbildung. Sie wirkt verdummend, indem sie unter großer Kraftvergeudung Verstand und Gedächtnis zu gegenseitigem Kampf zwingt. Trotz aller aufgewandten Mühe .......... gelingt es der Schule doch nicht, sie ( also die Rechtschreibung ) dem größten Teil unserer Jugend fürs spätere Leben einzuprägen. Über neun Zehntel (90%) unseres Volkes haben sie nie sicher erlernt oder doch bald nach der Schule wieder vergessen. " Selbst Konrad Duden ging davon aus, dass 90% aller Deutschen ( also 9 von 10 Deutschen) nicht richtig schreiben können. Anstatt einen Weg zu bauen, auf dem möglichst viele Menschen möglichst gut schreiben lernen können, haben Duden und seine Nachfolger diesen Weg so kompliziert gestaltet, dass das Ziel einer möglichst breiten Rechtschreibsicherheit, in immer weitere Ferne rückt.
Es ist interessant zu erfahren, wie sich die "Sache mit der Rechtschreibung" eigentlich entwickelt hat und wie es dazu kam, dass wir heute, also 100 Jahre nach der "2. Orthographischen Konferenz", noch immer nicht zu einer anwenderfreundlichen Rechtschreibung gekommen sind. Es ist eines der für Deutschland so typischen Beispiele, wie ein vernünftiger Ansatz von Fachleuten an sich gerissen wird, zerredet und zerpflückt wird und schließlich komplizierter als zuvor als Reform verkauft wird. 1901 tagte die 2. Rechtschreib-Konferenz in Berlin. Bis dahin gab es in Deutschland keine einheitliche Rechtschreibung. 1902 erschien dann als Ergebnis dieser Rechtschreib-Konferenz eine relativ einfach gehaltene amtliche Regelung der Rechtschreibung für Schulen, Behörden und den Geschäftsbereich. Das war dem Druckereigewerbe aber nicht ausführlich genug. Deshalb veröffentlichte das Bibliografische Institut in Leipzig 1903 einen speziellen Rechtschreib-Leitfaden für Buchdrucker. Nach seinem Herausgeber erhielt das Buch den Namen "Duden". Jetzt ging's los ! Alle Schreibkundigen wollten Zweifelsfälle und Ausnahmen geklärt wissen. Ein Jahrzehnt später waren allein die Trennungsregeln 3 mal so umfangreich und kompliziert wie zuvor. Unter dieser Regelungs-Wut wurde die Rechtschreibung immer komplizierter. Gut 50 Jahre später geschah ein weiteres Rechtschreib-Unglück. Das komplizierte Rechtschreibregelwerk wurde von der Kultusminmisterkonferenz mangels besserer Alternativen zu einer Art Gesetzbuch der Rechtschreibung befördert. Damit waren anwenderfreundlichen Reformen die Türen verschlossen. Gelegentliche Änderungen klärten Einzelfragen. Selbst die jüngste, groß angekündigte Reform blieb im Wurzelwerk der Duden-Rechtschreibung und im Netzwerk der duden-geprägten Orthographie stecken.
Der Zug mit der Rechtschreibreform ist vorerst abgefahren. Es ist nicht zu erwarten, dass sich Funktionäre und Politiker in den nächsten Jahren zu einer weiteren Reform der Reformen durchringen werden. Für die Schule und den alltäglichen Schreibgebrauch hat die Reform wenig Vorteile gebracht. Statt gründlich mit alten Zöpfen aufzuräumen und umfassende Vereinfachungen einzuführen, hat man an Details herumgebastelt. Warum hat man die Umlaute, die in der PC-Kommunikation nur hinderlich sind, nicht einfach ersetzt durch die Kombination von a,o und u mit dem e ? Warum hat man das "ß" nicht ein für allemal aus dem Alphabet gestrichen, warum lässt man Verben und Adjektive nicht in allen Fällen ausschließlich klein schreiben, warum hat man die Getrennt- und Zusammenschreibung nicht generell vereinfachend offen gelassen / offengelassen ? Es sind zu viele Warums zur Rechtschreibung und ihrer Reform geblieben. Es ist zu hoffen, dass die Rechtschreibumstellung so viel Durcheinander produziert, dass an der Schreibwirklichkeit orientierte Reformer in einigen Jahren - wenn die derzeitigen Rechtschreib-Reformer auf's Altenteil geschickt sind - zu einer einfacheren und anwendbareren Rechtschreibung finden. Ich denke, dass die digitale Revolution letztlich zu einer Rechtschreib-Revolution führt, die alte Zöpfe abschneidet und eine brauchbare Alltagsrechtschreibung entwickelt. Ich stimme angesichts der zahllosen Schwierigkeiten, die junge und alte Menschen mit unserer Sprache und ihrer Rechtschreibung haben, für eine unsentimentale Vereinfachung der Rechtschreibung. Wolfgang Heller |